Atrium droht in der Türkei Millionenklage

An der Schwarzmeerküste liegen derzeit voele Hotelprojekte auf Eis.
An der Schwarzmeerküste liegen derzeit voele Hotelprojekte auf Eis.(c) EPA
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Ein Türkischer Milliardär will von der ehemaliger Meinl European Land mehrere Millionen Euro Schadenersatz für ein nicht fertiggestelltes Projekt zurück.

Wien (b.l./APA). Auf das Immobilienunternehmen Atrium (einst Meinl European Land, kurz MEL) kommt schon wieder Ärger zu. Der türkische Milliardär Murat Vargi, Mitgründer des Mobilfunkriesen Turkcell, fordert von Atrium mehrere Millionen Euro Schadenersatz. Zudem wirft er dem Unternehmen, dessen Aktie an der Börse Wien notiert und das auf Jersey ansässig ist, Anlegertäuschung vor.

Hintergrund ist ein Projekt an der türkischen Schwarzmeerküste: Die Projektgesellschaft MEL 2 hatte vor zwei Jahren von der Stadt Samsun ein Grundstück erworben– unter der Auflage, dass darauf innerhalb von drei Jahren ein Fünfsternehotel errichtet wird. Als Investor fand MEL2 die türkische Güzel Oteller A.S., eine 100-Prozent-Tochter von Murat Vargis MV Holding. Der MEL-Partner Acteeum sollte das Hotel errichten und bis 12. Oktober 2009 an Güzel Oteller übergeben. Doch seit der Grundsteinlegung im April 2008 sei nichts passiert, klagt man bei Güzel. Seit März versuche man vergeblich, mit dem Atrium-Management in Kontakt zu treten. Daher werde man den Rechtsweg beschreiten und in wenigen Tagen das Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer ICC in Paris mit dem Fall befassen.

Atrium: „Markt hat sich geändert“

Güzel-Oteller-Sprecher Renay Onur wirft Atrium vor, seine Aktionäre zu täuschen: Atrium tue so, als gäbe es echte Projekte in der Türkei, doch sei auch mit weiteren Projekten nicht einmal begonnen worden.

Bei Atrium will man zum konkreten Fall keine Stellung nehmen. Dass Projekte in der Krise verzögert würden, sei aber nichts Ungewöhnliches in der Branche. Man ziehe derzeit nur jene Projekte durch, die kurz vor der Fertigstellung stünden, sagte Atrium-Sprecher Laurence Jones zur „Presse“. Bei anderen Projekten versuche man nachzuverhandeln und sie den neuen Marktgegebenheiten anzupassen. In der Türkei wachse der Bedarf nach Einkaufszentren (das Hauptgeschäft von Atrium) nicht mehr so stark wie zum Zeitpunkt des Markteintritts 2006. Den Vorwurf, dass man in der Türkei nur unfertige Projekte habe, weist Jones zurück und verweist auf das Forum Trabzon, ein im Juni 2008 an der türkischen Schwarzmeerküste eröffnetes Einkaufszentrum.

Atrium-Aktionäre haben bereits schwere Zeiten hinter sich: Heimliche Zertifikatsrückkäufe der MEL haben vor zwei Jahren den Absturz des Papiers, das damals 20 Euro kostete, eingeleitet. Auch die Immobilienkrise setzte dem Unternehmen schwer zu. Seit einem Jahr gehört Atrium mehrheitlich der israelischen Gazit Globe. An der Börse notiert das Papier jetzt bei knapp drei Euro.

Mit der Meinl-Vergangenheit hat Atrium oft zu kämpfen: Erst kürzlich hat Citicorp festgestellt, dass durch die heimlichen Zertifikatsrückkäufe auch Jersey-Recht verletzt worden sei („Die Presse“ berichtete). Bei der Begebung einer Anleihe hätten die Käufer informiert werden müssen. Citicorp behält sich rechtliche Schritte gegen Atrium vor.

AUF EINEN BLICK

Vor einem Jahr war der Immobilienentwickler Meinl European Land von der israelischen Gazit Globe übernommen worden und heißt seither Atrium. Doch der Ärger reißt nicht ab: Nun sieht sich das Unternehmen mit der Klage eines türkischen Geschäftspartners konfrontiert. Dieser fühlt sich bei einem Hotelprojekt geprellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2009)

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