Acht Flüchtlinge reisten unter Namen eines Attentäters ein

Ein Cover der serbischen Zeitung
Ein Cover der serbischen Zeitung "Blic" zeigt einen Pass, lautend auf den Attentäter-Namen.APA/AFP/ANDREJ ISAKOVIC

Acht in Serbien registrierte Pässe lauten auf den Namen des Attentäters Almohammad. Der Schütze Brahim Abdeslam betrieb eine Bar in Molenbeek.

Laut dem serbischen TV-Sender RTS sind acht Flüchtlinge in Serbien mit gefälschten Pässen eingereist, die auf den selben Namen wie den des Paris-Attentäters Ahmad Almohammad lauteten. Fünf der Flüchtlinge gaben sich bei der Registrierung durch die serbischen Behörden demnach als Bürger Syriens, drei des Irak aus.

Die Richtigkeit der Angaben wurde von den Behörden auf Anfrage der APA zunächst nicht bestätigt. Das serbische Innenministerium hatte am Wochenende erklärt, dass einer der Selbstmordattentäter von Paris am 7. Oktober im südserbischen Presevo angekommen war, wo er formell um serbisches Asyl ersucht habe.

Der Guardian hingegen berichtet, dass die serbische Polizei am Samstag in Presevo nur einen Mann verhaftet habe, der mit einem auf den Namen Ahmad Almohammad lautenden Pass eingereist sei. Nicht nur der Name, sondern auch weitere Details in den Pässen deckten sich mit dem syrischen Pass, der bei einem der Attentäter gefunden wurde. Nur die Fotos seien verschieden. Die griechischen Behörden hatten am 3. Oktober auf der griechischen Insel Leros einen Flüchtling registriert, der einen Pass mit denselben Daten mit sich führte. Er gelangte über Serbien und Kroatien nach Frankreich.

Die serbischen Behörden glauben, dass beide Pässe gefälscht sind, arbeiten aber gemeinsam mit der französischen Polizei daran, die Herkunft der Pässe zu ermitteln, heißt es in dem Bericht.

Täter-Bar wegen Drogenkonsum gechlossen

Unterdessen wurden am Dienstag weitere Details zu einem der Täter der Paris-Attentate bekannt. Brahim Abdeslam habe in Brüssel eine Bar besessen, die wegen Drogenkonsums der Gäste geschlossen wurde. Das "Les Beguines" im Bezirk Molenbeek, das der Zeitung "L'Echo" zufolge von dem Attentäter betrieben wurde, wurde Anfang November für fünf Monate zugemacht.

Der Anordnung der Behörden zufolge, die an der Eingangstür der Bar befestigt wurde, war sie ein "Ort des Drogenkonsums". In dem Schreiben ist die Rede von "verbotenen halluzinogenen Substanzen". Außerdem fand die Polizei bei einem früheren Besuch im "Les Beguines" zahlreiche Aschenbecher mit halb gerauchten Joints und traf Gäste im Besitz von Drogen an. In der Folge wurde das Beisl zum 5. November für fünf Monate geschlossen. Dem Bericht von "L'Echo" zufolge hatte Abdeslam die Bar im März 2013 angemeldet.

Der 31-Jährige hatte sich am Freitagabend vor dem Cafe Comptoir Voltaire am Boulevard Voltaire in Paris in die Luft gesprengt und dabei einen Menschen schwer verletzt. Der Franzose lebte in dem Brüsseler Problemviertel Molenbeek.

128 Wohnungen in der Nacht durchsucht

In der Nacht auf Dienstag sind in Frankreich 128 Wohnungen durchsucht worden. Die Razzien seien im Rahmen des Ausnahmezustands erfolgt, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve dem Radiosender France Info am Dienstagmorgen. Die Polizei komme bei ihren Ermittlungen gegen die Hintermänner der Pariser Anschläge rasch voran, sagt Cazeneuve. Details nennt er nicht.

Nach der Mordserie vom Freitag seien landesweit 115.000 Polizisten und Soldaten mobilisiert worden, sagte er. In der Nacht auf Montag hatte es 168 Durchsuchungen gegeben, die zu 23 Festnahmen führten und bei denen 31 Waffen gefunden wurden. Sie erfolgten im islamistischen Milieu insbesondere in den Regionen von Paris, Lyon, Grenoble, Toulouse und Lille.

Fahndung nach Saleh Abdeslam aufrecht

Gefahndet wird indessen weiter nach einem möglichen achten Attentäter, der bei der Anschlagsserie nicht getötet wurde: Salah Abdeslam, der Bruder von Brahim Abdeslam. Ihm war es offenbar gelungen, am frühen Samstagmorgen aus Frankreich auszureisen. Wenige Stunden nach den Anschlägen war kurz vor der belgischen Grenze ein Wagen mit drei Insassen gestoppt worden, von denen einer einen Pass auf den Namen Salah Abdeslam vorzeigte. Weil der noch nicht auf der Fahndungsliste stand, durfte der Wagen weiterfahren, wie französische Ermittlerkreise bestätigten.

Die belgischen Sicherheitskräfte versuchten am Montag, Salah Abdeslam bei einem Großeinsatz im Brüsseler Vorort Molenbeek festzunehmen, doch blieb der Einsatz erfolglos. Die belgische Justiz eröffnete Ermittlungsverfahren gegen zwei Verdächtige, ihnen werden "ein Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe" vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, ohne Namen zu nennen. Ob es sich bei den Verdächtigen um die Männer handelte, die mit Abdeslam im Fluchtauto saßen, ist unklar.

Gegen Abdeslam liegt ein internationaler Haftbefehl vor. Er stand Ermittlern zufolge in Verbindung mit dem belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud. Der 27-Jährige aus Molenbeek gilt als Kopf der Gruppe, die im Jänner im belgischen Verviers vor einem geplanten Anschlag zerschlagen wurde. Er soll inzwischen wieder für den IS in Syrien kämpfen.

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(APA/dpa/Reuters/red.)