Piëch und Porsche sind nicht mehr allein: Katar steht vor Einstieg

ARCHIV - Porsche-Wappen liegen am 2. Juni 2009 fuer die Montage an Fahrzeugen des Typs Porsche Paname
ARCHIV - Porsche-Wappen liegen am 2. Juni 2009 fuer die Montage an Fahrzeugen des Typs Porsche Paname(c) AP (Eckehard Schulz)
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Das Emirat Katar will offenbar ein Viertel an Porsche erwerben. Es wäre das erste Mal in der Firmengeschichte, dass ein Außenstehender Stammaktien an Porsche besäße.

Stuttgart. Der Einstieg des Golf-Emirats Katar beim deutschen Sportwagenhersteller Porsche dürfte unmittelbar bevorstehen. Laut „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ will der Emir von Katar 25 Prozent erwerben. Es wäre das erste Mal in der Firmengeschichte, dass ein Außenstehender Stammaktien an Porsche besäße. Derzeit sind diese ausschließlich in den Händen der Familien Piëch und Porsche. Selbst in der Krise 1992, als Porsche die Pleite drohte, waren sie nicht bereit, das Unternehmen an Toyota zu verkaufen.

Doch nun ist laut Nachrichtenmagazin „Spiegel“ eine eindeutige Mehrheit der zuletzt stark zerstrittenen Familienmitglieder dafür, dass das Emirat Stammaktien erwerben kann. Gegner des Vorhabens ist Ferdinand Piëch, doch der könne es auch nicht mehr aufhalten. Nur gemeinsam mit seinem Bruder Hans Michel Piëch verfügt er über eine Sperrminorität, gegen die der Clan nichts entscheiden kann. Doch Hans Michel soll ebenfalls für einen Einstieg des Emirats sein. Ein Porsche-Sprecher wollte das nicht kommentieren, bestätigte aber, dass man exklusiv mit Katar verhandle.

Porsche-Chef macht Druck

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte den Familien vor einer Woche das Konzept für das Engagement Katars vorgestellt und auf die Dringlichkeit der Geldbeschaffung hingewiesen. Porsche braucht dringend Kapital, um eine Finanzierungslücke zu schließen, die beim Einstieg bei VW entstanden ist. Zudem ringt man um einen Kredit der staatlichen Bank KfW in Höhe von 1,75 Mrd. Euro. Über diesen will die Bank in fünf bis zehn Tagen entscheiden. Dann muss freilich noch der Bund zustimmen.

Laut „Focus“ ist KfW-Vorstand Axel Nawrath für den Kredit, doch aus der deutschen Bundesregierung kommt Widerstand: Sowohl der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) als auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) lehnen das Darlehen ab.
Bleibt also das ölreiche Golf-Emirat Katar. Bei den Verhandlungen geht es vor allem um Mitspracherechte. So will der staatliche Finanzfonds Qatar Investment Authority (QIA) die künftige Dividendenpolitik mitbestimmen. Angesichts der weltweiten Absatzkrise dürfe nicht mehr so viel Dividende fließen wie in den vergangenen Jahren.

Preiswerter Einstiegs-Porsche

Wiedekings Zeitplan sieht vor, dass Anfang Juli die Kapitalerhöhung beschlossen werden könnte. Auf einer Hauptversammlung im September sollten die Aktionäre dem Projekt zustimmen. Spätestens im November könnten vier bis fünf Milliarden Euro aus der Kapitalerhöhung auf Porsche-Konten fließen.
Das Unternehmen hat weitreichende Pläne. Durch den Einstieg von Katar würde Porsche auch wieder stark genug, um einen neuen Anlauf zur Übernahme von VW zu starten.  Trotz Absatzkrise plant Porsche mindestens ein neues und preiswerteres Einstiegsmodell. Laut „Automobilwoche“ will der Sportwagenhersteller den 2,0-TFSI-Motor aus dem Audi TTS in den Boxter einbauen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14. 6. 2009)

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