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Nach Abspaltung von Spanien: "Katalonien wäre bankrott"

Symbolbild für drohenden Zerfall
Symbolbild für drohenden Zerfallimago/Ralph Peters
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Der Region würden die Konzerne weglaufen, sagte der österreichische Handelsdelegierte Spalek. Die Staatsanleihen wären nur "Ramschpapiere", Katalonien damit vom Finanzmarkt abgeschnitten.

Anfang November hat Kataloniens Parlament für die Unabhängigkeit von Spanien gestimmt, die Separatisten haben damit den Abspaltungsprozess in die Wege geleitet. Topmanager der Wirtschaft bezweifeln jedoch, dass Katalonien tatsächlich von Spanien unabhängig wird. Zu sehr seien beide Seiten verflochten. Für die abtrünnige Region würde es sehr teuer. Katalonien wäre bankrott, sagt der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Spanien, Michael Spalek. Internationale und einheimische Konzerne würden abziehen, Investitionen gekappt.

Auch die in Barcelona ansässige Großbank Caixabank - in Östereich ein Kernaktionär der börsennotierten Erste Group - habe bereits angekündigt, im Fall einer Abspaltung Kataloniens ihren Konzernsitz zu verlegen, sagten Spalek und der selber in Barcelona geborene spanische Andritz-Hydro-Manager Diego Vilanova am Dienstag vor Journalisten in Wien. Großbanken müssen sich, so wird argumentiert, auf eine weitere EU-Mitgliedschaft verlassen können.

Steuerautonomie könnte Lösung sein

Die Hälfte der 300 in Spanien aktiven österreichischen Firmen sind in Katalonien ansässig. Ergebnisse einer Umfrage der Wirtschaftskammer zu den Folgen der Abspaltung der Region werden bald vorliegen. Für den Handelsdelegierten steht jetzt schon fest, dass die meisten den gesamten Markt brauchen und keine abgeschottete Region. Er selber glaubt nicht, dass es zum letzten Schritt kommt.

"Die Katalanen könnten sich nicht mehr auf dem Markt finanzieren, da ihre Staatspapiere "Ramschpapiere" wären. Sie wären von Anfang an auf Hilfe von außen angewiesen", bekämen diese aber nicht, weil sie nicht in der EU wären. Katalonien müsse von Spanien finanziert werden, "das ist vielleicht ein Druckmittel", vermutet der Wirtschaftsdelegierte. Experten halten es für möglich, dass Madrid den Katalanen mit einer Steuerautonomie entgegen kommen könnte.

Katalonien: "Land bleibt zukunftsfähig"

Katalonien selbst meint, das die Region weiterhin eine große Anziehungskraft besitzt, die auch angesichts einer möglichen Abspaltung von Spanien nichts zu befürchten hätte, sagt Adam Casals in einer Stellungnahme. "Katalonien ist heutzutage die finanzstärkste Rgeion Spaniens. Nicht nur im Exportbereich ist Katalonien mit einem Anteil von 25,1 Prozent unangefochtener Marktführer, sondern auch bei den Auslandsinvestitionen steht die Region mit einem 23-Prozent-Anteil an der Spitze", heißt es weiter. Von einem katalonischen Bankrott zu sprechen, wo Katalonien der wirtschaftsliche Motor Spaniens sei, scheine in allen Fällen irreführend und nicht der Wirklichkeit entsprechend, so Casals.

Die ausländischen investitionen in Katalonien haben laut Schreiben im zweiten Quartal 2015 um 422 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,3 Milliarden Euro deutlich zugelegt. So hat sich die chinesische Konstruktionsbank (CCB) im September entschieden, ihren Sitz in Barcelona aufzubauen. Nur einen Monat später hat Cargill zehn Millionen Euro in einer Ölraffinerie in Reus investiert, ebenso eröffnete das Schweizer Unternehmen Helveting in Barcelona ihr erstes Entwicklungszentrum außerhalb der schweiz. Auch Amazon soll am Bau eines großen Logistikzentrums in Katalonien interessiert sein.

Österreichs Exporte nach Spanien sind heuer im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf gut 1,2 Milliarden gestiegen. Auch die Importe konnten um zwei Prozent auf ebenfalls rund 1,2 Milliarden Euro zulegen. Stark im Geschäft sind die Österreicher u.a. als Autozulieferer. Acht Autokonzerne (Ford, GM, Iveco, Mercedes Benz, Nissan, PSA Pegeot Citroen, Renault und VW-Seat-Audi) produzieren in diesem Land in 17 Endmontagefabriken.

(APA)