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Österreichische Bischöfe zu Krisensitzung in Rom

(c) APA (Herbert Neubauer)

Kardinal Schönborn führt als Vorsitzender der Bischofskonferenz die österreichische Delegation an, die Unstimmigkeiten mit dem Vatikan bezüglich der "Problemdiözese" Linz aus dem Weg räumen soll.

Die Spitzen der österreichischen Bischofskonferenz waren nach Informationen der „Presse am Sonntag“ am Wochenende unterwegs nach Rom. Am Montag und Dienstag sind Gespräche mit höchstrangigen Vertretern im Vatikan angesetzt – von Papst Benedikt XVI. bis zu Präfekten mehrerer Kongregationen. Thema: die Situation nach dem „freiwilligen“ Verzicht des Windischgarstener Pfarrers Gerhard Maria Wagner auf das Weihbischofsamt in der als schwierig angesehenen Diözese Linz.

Der als ultrakonservativ geltende Pfarrer Wagner war im Jänner ernannt worden – unter Umgehung der vatikanischen Gepflogenheiten. Er stieß von Beginn an auf heftige Kritik unter Priestern wie Laien und erklärte knapp mehr als zwei Wochen nach seiner Kür den Rückzug. Seither herrscht im Vatikan bezüglich dieser Problemdiözese Alarmstufe rot.

Kardinal Christoph Schönborn führt nun als Vorsitzender der Bischofskonferenz die österreichische Delegation an, die Unstimmigkeiten mit dem Vatikan aus dem Weg räumen soll. Die Rom-Reise findet unmittelbar vor der am Mittwoch beginnenden Sommertagung der Bischofskonferenz in Mariazell statt.

Schönborn wird von seinen beiden Stellvertretern im Episkopat, dem Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser und dem Grazer Bischof Egon Kapellari, sowie vom Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz begleitet. Bis zuletzt galt es auch als nicht ausgeschlossen, dass der neue Apostolische Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen gleichfalls an den Gesprächen teilnehmen wird. Mehrere Vertreter im Vatikan sehen durch die Ereignisse in Linz offenbar die Autorität des Papstes und dessen alleiniges Recht, Bischöfe zu ernennen, in Gefahr.

(d. n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14. 6. 2009)