Gewohnte Anlagestrategien werden zu Verlustmaschinen, wer erfolgreich bleiben will, muss schnell und flexibel handeln – und sich den Trend zum Freund machen.
Wer nach dem Crash nicht die Büchse ins Korn geworfen hat, sondern wieder in den Aktienmarkt eingestiegen ist, hat heuer durchaus schon die Chance auf hohe prozentuell zweistellige Gewinne gehabt. Es zahlt sich also nicht aus, dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren, nur weil man einmal verloren hat.
Allerdings gilt es jetzt, einige Dinge besonders zu beachten: Der Aktienmarkt hat sich stark geändert und ist sehr volatil geworden. Viele Strategien, die in früheren Jahrzehnten recht erfolgreich waren, sind damit zu „Verlustmaschinen“ geworden. Wer das nicht akzeptiert und die Konsequenzen daraus zieht, sollte sich von Engagements in Einzelaktien eher fernhalten – und professionelle Fondsmanager für sich arbeiten lassen.
Wer es dennoch versuchen will, sollte sich intensiv mit dem Thema befassen. Denn die gute alte Kostolany-Methode („Aktien kaufen, Schlafmittel nehmen und nach zehn Jahren reich aufwachen“) ist leider schon länger tot. Wer so investiert, hat in den letzten 15 Jahren trotz zweier Börsenbooms gar nichts verdient. Wer jetzt im Aktienmarkt nicht zu den ewigen Verlierern gehören möchte, muss sich umfassend informieren, schnell und entscheidungsstark sein und sich mit den Instrumenten der Fundamental- und der technischen Analyse vertraut machen.
Das kostet natürlich Zeit. Wer nicht bereit oder in der Lage ist, ein paar Stunden pro Woche in seine Aktien zu investieren, kann in volatilen Zeiten wie diesen sehr leicht Trendwenden übersehen. Und das kann bei der Geschwindigkeit, mit der sich Börsen zuletzt in die eine oder andere Richtung gedreht haben, sehr schnell recht ordentlich ins Geld gehen.
Sinnvoll ist es jedenfalls, ein Konto bei einem Internetbroker einzurichten. Das verkürzt den Weg von der Kauf- oder Verkaufsentscheidung bis zur tatsächlichen Abwicklung deutlich, ist außerdem spesengünstiger – und als Draufgabe bieten die Internetbroker (etwa brokerjet.at oder direktanlage.at) umfassende Informationen über handelbare Wertpapiere (samt Charts und technischer Indikatoren) sowie geringfügig zeitverzögerte oder (gegen Gebühr) Realtime-Kurse an. Klassische Beratung gibt es beim Internetbroker zwar nicht, aber wer sich nicht zutraut, eigenständige Entscheidungen zu treffen, sollte Einzeltitel ohnehin meiden.
Danach kommt Grundlagenarbeit. Dazu empfiehlt sich ein Besuch in der Fachbuchhandlung: Für die grundsätzliche Aktienauswahl sollte man sich mit den Grundbegriffen der Fundamentalanalyse vertraut machen, für das Bestimmen von Kauf- und Verkaufszeitpunkten mit der technischen Analyse. Natürlich hat kein Amateuranleger die Zeit, sich zum perfekten Analysten ausbilden zu lassen. Das ist ein ziemlich anspruchsvoller Job. Aber mit der Bilanz seines Unternehmens sollte schon jeder vertraut sein und wie man an Hand von Chartbildern und technischen Indikatoren Trends zunutze macht, gehört wohl auch zum unverzichtbaren Grundwissen.
Wobei Könner Fundamentaldaten für die grundsätzliche Auswahl und technische Indikatoren für unmittelbare Handelsentscheidungen verwenden. Derzeit bringt das Handeln nach technischen Indikatoren freilich eindeutig mehr: In Krisenzeiten sind fundamentale Kennzahlen wie etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (an dem man normalerweise ablesen kann, ob eine Aktie in ihrem Umfeld „billig“ oder „teuer“ ist) gar nichts: Wenn niemand seriös sagen kann, wie es weitergeht, der künftige Gewinn also völlig im Nebel liegt, dann ist das KGV nicht viel mehr als eine Hausnummer. Dasselbe gilt für die Dividendenrendite.
Allerdings: Wenn sich die Nebel einmal gelichtet haben, dann schlägt wieder die Stunde der „Fundamentalisten“. Denn langfristig gute Chancen haben nur Aktien gut aufgestellter Unternehmen. Und wenn man beispielsweise mit Aktien seine Pension absichert, will man ja nicht zocken, sondern Werte schaffen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)