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Bildungsreform: IHS-Forscher spricht von "De-facto-Verländerung"

Ministerin Heinisch-Hosek, Staatssekretär Mahrer.
Helmut Fohringer
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Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für Höhere Studien (IHS) sieht die geplanten Bildungsdirektionen "in einer vollkommenen Sandwichposition zwischen dem Landehauptmann und dem Bund".

Bei den geplanten neuen Zuständigkeiten für die Schulverwaltung zwischen Bund und Ländern sieht der Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für Höhere Studien (IHS) lediglich "eine Vereinfachung am Papier - de facto ist es aber eine Verländerung". Insgesamt könnte alles auf unterschiedliche Schulsysteme hinauslaufen, sagte er am Mittwoch.

"Die Politik entscheidet sich im Vollzug - und der liegt bei den Ländern", erklärte Lassnigg angesichts des am Dienstag präsentierten Papiers zur Bildungsreform. Die geplanten Bildungsdirektionen mit ihren Leitern, den sogenannten Bildungsdirektoren, sieht der Forscher folglich "in einer vollkommenen Sandwichposition zwischen dem Landehauptmann und dem Bund". Er gehe davon aus, dass es die Konfliktlinien zwischen den verschiedenen Akteuren weiter geben wird.

Organisatorisch tragen die geplanten neuen Bund-Länderbehörden dazu bei, das System zu entwirren, "aber es ist in der falschen Richtung vereinheitlicht. Meiner Meinung nach schafft das ein geschlossenes System auf Länderebene", sagte der Bildungsforscher, der aber einen klaren Vorteil darin sieht, dass die Personalverrechnung offenbar beim Bund konzentriert werde. Das wäre ein entscheidender Schritt in Richtung Transparenz. Insgesamt werde offenbar keine der vier Ebenen (Bund, Länder, Gemeinden und die Schulen selbst), die in die Schulverwaltung eingebunden sind, tatsächlich eliminiert.

Gemeinsame Schule: "Knebelungsparagraf"

Angesichts der Deckelung der Modellregionen für die gemeinsame Schule auf höchstens 15 Prozent der Schulstandorte und Schüler in einem Bundesland spricht Lassnigg von "einem Knebelungsparagrafen". Gerade im Hinblick auf Signale aus Vorarlberg, wo man eigentlich gerne das ganze Bundesland zur Modellregion machen möchte, sei die nunmehr angestrebte Regelung nicht ideal.

In Sachen Schulautonomie geht das Papier dem Forscher noch nicht weit genug. Im Bereich der personellen Autonomie könnten die Schulen zwar bei der Erstauswahl der Lehrer gewichtig mitreden, es scheine aber, dass sie bei der Weiterbestellung wieder stark an Einflussmöglichkeit verlieren.

Dass künftig autonome Schul- bzw. Verwaltungseinheiten mit 200 bis 2.500 Schülern gebildet werden können, sei "ein wichtiger Punkt mit beträchtlichem Entwicklungspotenzial", so der Experte. Wenn man es schaffe, die verschiedenen Schulen in einer Region zum Zusammenarbeiten zu bewegen, "kann man da wirklich viel machen", sagte Lassnigg.

(APA)