Let's make money: Silber, das bessere Gold

(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)
  • Drucken

Warum Silber für Anleger das bessere Gold ist und warum der Höhenflug der Stec-Aktie noch nicht zu Ende ist.

Seit der Ölpreis wieder kräftig steigt (was derzeit rein spekulative Gründe hat) und bei US-Anleihenauktionen hohe „Yields“ erzielt werden, ist auf den Aktienmärkten Nervosität eingekehrt. Sind das schon die ersten Zeichen des Aufschwungs? Und: Wird das zu generell höheren Zinsen führen? Das würde den Aktien, die– in Relation zum wirtschaftlichen Umfeld– ziemlich weit nach oben gelaufen sind, einen Dämpfer versetzen.

Wie auch immer: Die ersten Ermüdungserscheinungen der Börsen und der erneute Schwächeanfall des Dollars haben die Aufmerksamkeit der Anleger auf das Gold gelenkt. Das Edelmetall, dem als Nebenwirkung Schutz vor Inflation nachgesagt wird, liegt nicht mehr weit von der 1000-Dollar-Marke entfernt. Es gibt Experten, die einen Anstieg auf 1200 Dollar für wahrscheinlich halten. Doch zuletzt hat sich die 1000-Dollar-Schwelle stets als unüberwindliche Hürde erwiesen. Diesmal könnte es klappen: Zu den Inflationsängsten kommt ein Nachfrageschub aus China. Die dortige, auf hohen Dollarreserven sitzende Notenbank deckt sich massiv mit Gold ein.

Anleger könnten sich also wieder im Edelmetallsektor umschauen. Doch könnte es sich auszahlen, das Augenmerk auf die etwas im Schatten stehende „Schwester“ des Goldes, das Edelmetall Silber, zu richten. Silber entwickelt sich langfristig parallel zum Gold, schwankt aber stärker. Heuer ist der Silberpreis um gut 50 Prozent gestiegen. Und damit wesentlich stärker als der des Goldes. Trotzdem hat Silber Aufholbedarf: Der Preis war im Vorjahr prozentuell wesentlich stärker gefallen. Derzeit liegt der Preis bei 15,5 Dollar, Experten halten einen kurzfristigen Anstieg auf 17 bis 18 Dollar für möglich. Wenn der Goldpreis den Tausender überwindet, könnten es auch mehr sein. Da lässt sich kurzfristig mit Hebelprodukten (Optionsscheinen, Zertifikaten) einiges machen. Physisches Silber einzulagern ergibt noch nicht viel Sinn: Die wirkliche Inflationsgefahr ist noch weit, und bis dahin wird es beim stark volatilen Silberpreis sicher noch Rücksetzer geben.

Die Aktienmärkte sind zwar schon weit nach oben gelaufen, es besteht aber noch kein Grund, sich zurückzuziehen. Gedanken machen sollten sich jene, die der „Presse am Sonntag“-Empfehlung vom 15.März gefolgt sind und sich mit Papieren des US-Computerspeicherherstellers Stec eingedeckt haben. Die Aktie ist in der Vorwoche nach einem Höhenflug (500 Prozent Kursplus seit Dezember, fast 300 Prozent seit der „Presse am Sonntag“-Empfehlung) in eine Konsolidierungsphase eingetreten, die sich ab der Wochenmitte in einer Art kontrolliertem Sinkflug manifestiert hat. Da ist es nicht verkehrt, sich nach unten abzusichern beziehungsweise erst einmal die doch satten Gewinne mitzunehmen.

Man sollte das Papier freilich nicht ad acta legen: Das relativ kleine Unternehmen hat die Branchengrößen mit einer vor Kurzem auf dem Markt gebrachten SSD-Speicherlösung (SSD-Speicher lösen die mechanischen und damit fehleranfälligen Festplattenlaufwerke ab) namens Zeus!OPS ausgebremst und seine Geschäftserwartungen für heuer schon mehrfach nach oben korrigiert. Das spricht nach der Konsolidierungsphase für weitere Kursanstiege. Die könnten durch zwei Faktoren beschleunigt werden: Vor der Kursexplosion hatten viele Leerverkäufer auf die Aktie gesetzt. Nachdem die Aktie aber sicher nicht mehr tief genug fallen wird, um diese Short-Positionen gewinnträchtig zu machen, kommen die Leerverkäufer langsam zum „Kapitulationspunkt“: Sie müssen sich mit Aktien eindecken– das treibt normalerweise die Kurse. Zudem hat Stec nach der Verfünffachung des Kurses die Dollarmilliarde bei der Marktkapitalisierung geknackt und könnte rasch zum Übernahmeziel werden. Einige Analysten haben ihr Stec-Kursziel auf 30 Dollar angehoben. Das wären vom jetzigen Kursniveau noch 50 Prozent.

Interessantes gibt es auch vom Machtkampf der Autofamilien Piëch und Porsche: Da hat sich das Blatt gewendet. Sollte Porsche den gewünschten Milliardenstaatskredit und dazu einen potenten Investor aus Qatar bekommen, wäre die Sportwagenschmiede stark genug, den nächsten Anlauf zur Übernahme des Goliaths VW zu unternehmen. Das könnte der Aktie laut Analysten einen Schub von derzeit rund 48 auf bis zu 65 Euro bescheren. Um das zu lukrieren, muss man aber eine handfeste Spekulation riskieren. Wenn der Abschluss der Transaktionen bekannt ist, ist es zu spät.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.