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Jelena Isinbajewa: "5,20 Meter sind nicht unmöglich"

Yelena Isinbayeva
(c) EPA (Fabrice Coffrini)
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Mit Weltrekordserien, WM- und Olympiagold landete die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa im Rampenlicht der Leichtathletik. Sie plant 36 Rekorde und will Sergej Bubkas Rekord knacken.

Sie wurden unlängst zum zweiten Mal in Ihrer Karriere als Laureus-Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Welche Bedeutung hat diese Trophäe? Ist es tatsächlich der Sport-Oscar?

Jelena Isinbajewa: Der Laureus-Award ist die größte Auszeichnung, die man als Sportler erhalten kann. Und ja – Sie können das auch mit dem Hollywood-Oscar vergleichen! Damit werden die Allerbesten ausgezeichnet und für mich ist das eine ganz große Ehre.

Am Sonntag startet die Golden-League-Saison mit dem Meeting in Berlin. Welchen Stellenwert genießt diese Liga, kann man diese sechs Events umfassende Serie mit der Fußball-Champions-League vergleichen?

Die Golden League ist ein Elitekreis, hat den höchsten Status in der Leichtathletik und hilft enorm, den Sport zu promoten. Es mit anderen Sportarten zu vergleichen ist schwer.

Auf den Gesamtsieger wartet eine Million Dollar. Welche Rolle spielt Geld eigentlich im modernen Sport? Geht es gar nur noch um Geld?

Ich betreibe Sport nicht des Geldes wegen, das habe ich noch nie gemacht. Ich fing als Gymnastin an, weil es mir Spaß gemacht hat. Dafür bin ich aber zu schnell gewachsen und wechselte in die Leichtathletik und wurde Stabhochspringerin. Damals hätte ich auch nie daran gedacht, damit Geld zu verdienen oder davon leben zu können. Aber Geld spielt schon eine Rolle im Leben, vor allem im Profisport. Dadurch verlieren manchmal auch einige die Übersicht, weil es um unrealistische Summen geht. In der Leichtathletik ist das aber nicht so.

Wenn Sie vom Beginn Ihrer Karriere sprechen, was hat sich seit damals für Sie verändert? Die Menschen, der Sport oder doch vorwiegend das Event?

Damen-Stabhochsprung genießt nun viel mehr Aufmerksamkeit, vielleicht auch wegen meiner Rekorde. Aber auch Damen-Dreisprung interessiert nun viel mehr als früher.

Sie verbesserten den Weltrekord 26-mal, jetzt liegt die Latte auf unglaublichen 5,05 Metern Höhe. Ehrlich – wie hoch können Sie noch springen?

Also ich kann sicher noch viel höher springen! Ich will den Weltrekord auch unbedingt auf einen Level bringen, den nach mir kaum noch eine andere übertreffen kann. Das ist mein großes Ziel! Aber, um bei den Zahlen zu bleiben – 5,20 Meter sind nicht unmöglich!

Nach Ihrem zweiten Olympiagold in Peking wiederholten Sie die Kampfansage an Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka. Er hält 35 Weltrekorde, Sie wollen 36, ist das wirklich möglich?

Ja, dieses Vorhaben verfolge ich weiterhin. Es wäre schon ein Spaß, auch diese Bestmarke zu übertreffen. Im Training halte mich meist zurück mit den Höhen, meine besten Resultate habe ich immer bei Wettkämpfen. Dann stehe ich im Rampenlicht – das brauche ich, das liebe ich!

Könnte eines Tages eine Frau den Bubka-Rekord von 6,14 Meter einstellen? Oder haben Männer doch die besseren physischen Voraussetzungen?

Klar, Männer sind stärker. Das sieht jeder, bei jedem Event wird das deutlich. Aber wer weiß, eines Tages...

Wie sehr hat Sie Bubka inspiriert? Wie sehr ist er in die tägliche Arbeit involviert? Gibt er Tipps?

Sergey Bubka ist eine Legende, er war immer mein Vorbild, mein Mentor. Und auch heute noch hilft er mir in allen Belangen weiter.

Wie funktioniert Stabhochsprung eigentlich? Man zählt Schritte, sticht ein und hebt ab, ist es wirklich so simpel?

Das Geheimnis dieser Sportart ist es, alle Kombinationen von Stärke, Kraft, Technik und Speed in einem einzigen Augenblick zu vereinen. Mein Coach Witali Petrov ist in diesen Belangen phänomenal. Der Absprung ist der entscheidende Moment!

Sie haben bereits so viele Events gewonnen, sind Weltmeisterin und Olympiasiegerin – was treibt Sie weiterhin an?

Ich denke, dass es ein Job ist wie jeder andere auch. Manchmal ist es der beste Job, manchmal überstrahlt die Routine alles. Ich liebe aber die Befriedigung des Sieges – und Weltrekorde aufzustellen.

Werden Sie, ein Leichtathletikstar, auf den Straßen von Monte Carlo, Berlin, Moskau oder New York erkannt?

Also in den USA kann ich überall unerkannt durch die Städte laufen. Am populärsten bin ich in Asien, glauben Sie mir. In China, Japan und Südkorea kennt fast jeder Jelena Isinbajewa. Und natürlich auch in Russland.

Wie oft trainieren Sie, wie viele Sprünge braucht es, um ein Sieger zu sein?

Normalerweise habe ich zwei Sessions am Tag, davon dauert jede zwei bis drei Stunden. Einmal pro Woche mache ich gar nichts, da erhole ich mich und gehe zur Massage. Ich springe nicht täglich. Es muss Spaß machen.

Wenn Sie an Wochenenden einmal nicht durch die Lüfte fliegen, was machen Sie dann?

Wirklich viel Privatleben habe ich nicht. Aber wenn ich Zeit habe, suche ich die Entspannung. ich höre sehr gerne Musik, treffe meine Freunde oder gehe einfach am Strand spazieren. Wie jeder andere Mensch es auch tun würde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)