Die Onlinebroker laufen den »normalen« Geldinstituten klar den Rang ab. Sie sind billiger und effizienter.
Wer sich während der Finanzkrise ausschließlich auf die sichere Seite der Geldanlage gestellt hat, wird sich jetzt vielleicht ärgern. Sparzinsen von über fünf Prozent gehören längst der Vergangenheit an. Die Anleger haben sich schon mit einem Zweier vor dem Komma abgefunden.
Anders ging es in den vergangenen Wochen und Monaten bei der Wiener Börse zu. Mit einem guten Händchen hätte man seinen „Einsatz“ verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen können. Aber: Dem Anleger bleibt nicht der ganze Kursgewinn übrig, da er für den Kauf von Aktien Spesen berappen muss. Mittlerweile kann jeder Kleinanleger über einen Internetbroker sein Aktiendepot selbst managen. Dadurch können die Anleger billiger und effizienter am Börsenaufschwung mitnaschen. Dazu gibt es mehrere Instrumente.
• Aktien: Gewöhnlich kaufte der Anleger die Aktien bei der Hausbank. Dort wird er auch beraten – ob diese Beratung gut ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Die Banken lassen sich diesen „Service“ teuer bezahlen. Im Normalfall zahlt der Kunde für den Kauf eines kleinen Aktienpakets mehr als 30 Euro an Transaktionskosten (Ordergebühr). Zusätzlich verlangen die Geldinstitute eine Depotgebühr.
Die Ordergebühren sind bei Internetbrokern um ein Vielfaches billiger. Bei direktanlage.at zahlt man für den Erwerb eines kleinen Pakets eine Pauschale von nur 7,95 Euro, bei Brokerjet9,99 Euro. Die anderen Online-Anbieter sind bei den Ordergebühren aber deutlich teurer.
Neben den Transaktionskosten sind auch die Depotgebühren ein entscheidender Kostenfaktor, vor allem für jene Anleger, die ihr Depot sowieso kaum umschichten und daher keine hohen Transaktionskosten anhäufen. Bei Brokerjet ist die Depotführung kostenlos, wenn man zumindest eine Transaktion pro Quartal durchführt. Ansonsten zahlt man 60 Euro, was im Vergleich viel ist.
Günstiger ist das Depot bei Easybank, das jährlich 0,12 Prozent des Depotvolumens, mindestens aber 14,50Euro kostet. Bei einem Depot von 8000 Euro zahlt man etwa nur die Mindestgebühr von 14,50 Euro.
• Aktienfonds: Für jene, die nicht die Zeit haben, ihr Aktiendepot ständig zu „pflegen“, sind mit Aktienfonds besser beraten, da das Risiko auf mehrere Unternehmen verteilt ist. Hier kaufen sich die Anleger in einen Fonds ein, der wiederum in mehreren Aktiengesellschaften investiert ist.
Der große Nachteil: Beim Kauf eines Fonds müssen die Kunden immer einen Ausgabeaufschlag entrichten. Im Gegensatz zu den Banken bieten Internetbroker hier Rabatte an. Die Vergünstigen können bis zu 80 Prozent des Aufschlages reichen. Dieses Angebot zahlt sich aus. Erwirbt ein Sparer einen Aktienfonds um 15.000 Euro, fällt im ungünstigsten Fall ein Aufschlag von sechs Prozent an. Der Kunde „verspielt“ daher allein schon 900 Euro an die Bank. Bei einer Performance von durchschnittlich sechs Prozent wären aus den 900 Euro nach zehn Jahren satte 1600 Euro geworden, die dem Sparer durch die Lappen gegangen sind.
Einzelne Anbieter wie direktanlage.at stellen zudem das Depot für Fondsanteile kostenlos zur Verfügung. Ausgenommen von diesem Angebot sind Indexfonds die derzeit sehr beliebt sind.
• Indexfonds: Denn immer mehr Anleger finden Gefallen an Sparplänen in Indexfonds (auch Exchange Traded Fonds, kurz ETF genannt) oder in Indexzertifikate. Dabei zahlen die Sparer in regelmäßigen Abständen in einen Fonds ein, der einen Index nachbildet.
Das Problem, dass man zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt einsteigt, wird durch die laufende Einzahlung einigermaßen ausgeglichen. Außerdem ist man nicht von teuren Fondsmanagern abhängig, die dann erst nicht fähig sind, einzelne Indizes zu überbieten.
Das Angebot an diesen Produkten ist hierzulande sehr rar. Das haben einige Onlinebroker erkannt. Der Broker direktanlage.at bietet etwa einen Zertifikate-Sparplan der Raiffeisen Centrobank (RCB) an, der den ATX-Leitindex der Wiener Börse nachbildet (AT0000340161).
Im Angebot hat direktanlage.at auch Zertifikate-Sparpläne, die den deutschen DAX (AT0000436589) und den europäischen EuroStoxx 50 (AT0000340146) nachbilden. Im Gegensatz zum ATX-Sparplan sind die beiden anderen Zertifikate-Sparpläne frei von der Kapitalertragssteuer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)