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Pop

"a-ha" sind zurück: "Wir retten die Welt"

a-ha
(c) EPA (BRITTA PEDERSEN)
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Mit "Take on Me" wurden sie 1985 berühmt. Jetzt hat die norwegische Popband a-ha, zu deren Fans auch Coldplay und U2 zählen, endlich wieder ein Album eingespielt. Die "Presse" traf Sänger Morten Harket zum Interview.

„Foot of the Mountain“, das neunte Album von a-ha, ist im Kasten. Welches Gefühl wohnt nun in Ihrer Brust?

Morten Harket: Wie stets ein zwiespältiges. Ich hab immer das Gefühl, ich befinde mich in einem nichtendenwollenden Tunnel der Arbeit und der damit einhergehenden Zweifel. Der Entstehungsprozess eines Albums ist immer mit Schmerzen verbunden. Dafür bin ich auf das Ergebnis umso stolzer.

Wie kommt das? Sie schreiben ja, wie Ihre ansprechenden Soloalben zeigten, durchaus gutes Material. Dennoch sind Sie auf keinem der neuen Songs als Koautor genannt. Schmerzt das nicht?

Überhaupt nicht. Daran hab ich nie gedacht, bis es die Medien zum Thema machten. Das was Pal und Magne (die Band-Gründer, Anm.) präsentieren, ist ja niemals ein fertiger Song. Als Sänger habe ich viele Möglichkeiten zu gestalten. Wenn ich mit einem Text nichts anfangen kann, dann weigere ich mich, ihn zu singen. Andernfalls wäre ich ein schlechter Sänger. Nur wenn ich mich mit einem Song identifizieren kann, hat er die Chance, gut zu werden.

Aber es ist doch auch eine finanzielle Frage. An „Take on Me“, dem größten Hit von a-ha, waren Sie kompositorisch beteiligt. Das kann Sie doch nicht unberührt gelassen haben?

Die Journalisten in Norwegen fixieren sich auch gerne auf dieses Thema. Ich versichere Ihnen aber, dass ich eine andere Mentalität habe. a-ha sind die einzige international erfolgreiche Popband aus Norwegen.

Die Schweden hingegen haben eine Vielzahl erstaunlicher Gruppen. Vor nicht allzu langer Zeit waren Schweden und Norwegen in einem Reich vereint. Woher rühren nun die Unterschiede?

Die Mentalität von Schweden und Norwegern war auch damals sehr unterschiedlich. Plakativ gesagt waren die Schweden immer leichtfüßiger, die Norweger nachdenklicher. Das erklärt die schwedische Popdominanz ganz gut.

Auf ihrem neuen Album kehren a-ha souverän zu ihrer ursprünglichen Synthie-Pop-Ästhetik zurück. Welche Rolle spielte dabei Produzent Steve Osborne?

Steve hat die zentrale Rolle dabei gespielt, das Album zu dem kompakten Statement zu machen, das es nun ist. Die Arbeit daran begann schon vor ein paar Jahren. Wir starteten mit ein paar brillanten Ideen punkto frischer Synthesizersounds. Alle, die das im Versuchsstadium hörten, waren begeistert, weil wir plötzlich wieder so agierten wie am Anfang unserer Karriere. Da Einigkeit zu erzielen bei a-ha immer schon schwierig war, sahen wir bald den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Zweifel kam auf. Wir gerieten in eine Sackgasse. Steve half uns da raus. Nach vielen Umwegen arbeiteten wir uns wieder zur Ausgangsposition zurück. Und siehe da: Die alte Magie war wieder da.

Biologie war eines Ihrer Lieblingsfächer. Im Song „Mother Nature Goes to Heaven“ dürfen Sie sich Sorgen um den Zustand der Welt machen. Wie sehen Sie diesen?

Es ist natürlich naiv herzugehen und zu sagen: Wir retten jetzt die Welt. Jeder Einzelne muss sich bewusst machen, inwieweit er mit seinem Verhalten die Balance der Natur stört. Wir müssen nachdenken darüber, was das Leben wertvoll macht, und eine Wachsamkeit jenen Prozessen gegenüber entwickeln, die die Fundamente ansägen. Will sich der Mensch weiterhin Mensch nennen, muss er Verantwortung für die eigenen Handlungen übernehmen. Andernfalls wären wir nur Automaten, die auf permanente Stimulanz aus sind.

Ihre Automatenmetapher passt aber ganz gut ins heutige Popmusikszenario, wo der Unterhaltungsaspekt zunehmend den Kunstaspekt verdrängt. Wie sehen Sie das Problem der dramatisch verkürzten Aufmerksamkeitsspannen junger Hörer?

Das ist eine komplexe Angelegenheit. Im Vergleich zu den Sechziger- und Siebzigerjahren gibt es ja eine Vielzahl mehr an Medien. Beispielsweise bedeutet es heute wegen der Menge an Kanälen viel weniger für eine Band, im Fernsehen zu sein, als noch vor zwei Jahrzehnten. Die Medienpräsenz, die du damals locker erreichen konntest, ist heute nur mehr Utopie. Die Medien selbst haben sich auch verändert. Bei den meisten geht es um schnelle Stimulanz. Inhalte sind sekundär. Gleichzeitig wächst bei vielen das Bedürfnis nach ansprechenden, fordernden Inhalten.

Der Erfolg von a-ha ist wohl zu einem guten Teil auch auf sehr stimulierende Videos zurückzuführen. Während Popmusik früher gesellschaftliche Veränderungen anstrebte, gehören Sie jener Generation an, die durch MTV zum Massenerfolg gepeitscht wurde. Wie sehen Sie die Visualisierung von Popmusik heute?

Nostalgiker gibt es in jeder Generation. Videos haben die Popmusik für immer verändert. Mit ihnen kann man auch wichtige Inhalte kommunizieren. Aber ich gebe zu, dass viele einfach nur schlechtes Entertainment waren und es oft besser gewesen wäre, man hätte der Musik ohne Bilder gelauscht.

Hätten a-ha den weltweiten Durchbruch auch ohne MTV geschafft?

Auf jeden Fall. Was hätten wir tun sollen? Gegen die neuen Technologien protestierten? Sie links liegen lassen? Das wäre unkünstlerisch gewesen. Wir waren zweifellos gut in der visuellen Umsetzung. Über das Auge lässt sich schnellerer Kontakt schließen, aber der Gehörsinn schafft tiefere Bindungen. So betrachtet bin ich sicher, dass a-ha, hätte es niemals Videos gegeben, noch größer rausgekommen wären.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)