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Zahlen: Handy – außer iPhone – ersetzt Bankomatkarte

(c) APA (Barbara Gindl)
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Lang hat man davon geredet, jetzt bieten die ersten Banken das Bezahlen mit dem Smartphone an. Voraussetzung ist NFC, eine spezielle SIM-Karte und ein Android-Handy. Apple lässt die Funktion nicht zu.

Wien. „Sieben Euro 23 Cent“, sagt die Kassiererin, und schon geht's los. „Hier sind einmal fünf Euro“, sagt der Kunde. „Irgendwo hab' ich noch ein paar Cent – einen Moment, bitte.“ Und dann wird in den Tiefen der Geldtasche und den Weiten der Sakko- und Hosentaschen nach Münzen gesucht. Man braucht im Supermarkt manchmal sehr gute Nerven – nicht nur, um das Vorurteil gleich auszuräumen, wenn ältere Damen vor einem an der Kassa stehen, sondern oft auch hinter jüngeren Herrn.

Zumindest beim Bedienen ihres Handys sind die Jungen schneller – und damit sollte bei ihnen auch das Zahlen bald schneller gehen. Denn nach und nach bieten österreichische Banken das Bezahlen mit Handy an. Man muss nicht mehr erst die Bankomatkarte in die Bankomatkassa stecken und einen Code eintippen. Man hält einfach das Handy zur Kassa – und schon ist bezahlt. So die Rechnung weniger als 25 Euro ausmacht. Übersteigt sie diese Grenze, muss der vierstellige PIN-Code eingegeben werden.

 

Erste, Bawag ab 2016

Diese Art der schnellen, unkomplizierten Bezahlung geht bisher zwar auch schon mit den neuen, NFC-fähigen Bankomatkarten. Künftig kann man sich aber die Karte sparen und muss nur sein Handy hinhalten – das für viele ohnehin schon Teil ihres Körpers geworden ist.

„Das Interesse der Menschen ist groß“, erklärt eine Sprecherin der Payment Services Austria (PSA), die im Sommer in Linz mehrere Monate lang das Handy als Bankomatkarte getestet haben. Die PSA, die die Zahlungen für die Banken und die Geschäfte abwickeln (sie betreiben keine Bankomaten oder Zahlterminals), haben das System entwickelt. Das Interesse der Kunden scheitert noch an den Banken, denn nur wenige Institute in Österreich bieten bisher die fortschrittliche Zahlmethode an.

Die Bank Austria war das erste Geldinstitut Österreichs, seit Anfang November können Kunden dort ihr Smartphone zur Bankomatkarte machen lassen. Voraussetzung ist eine neue SIM-Karte, die speziell verschlüsselt ist, und ein Android-Handy mit NFC (Near Field Communication). Apples beliebtes iPhone geht nicht. Das liegt aber nicht an den Banken, sondern an Apple. „Das Unternehmen hat ein eigenes geschlossenes System und lässt es nicht zu, dass man die notwendigen Daten auf seinen Handys speichert“, betont eine Sprecherin der PSA.

Auch bei der Oberbank und der Raiffeisen Bankengruppe Oberösterreich, Kärnten und Tirol können Handys zu Bankomatkarten werden. Der Netzbetreiber „3“ bietet seit Montag eine eigene App an („3Geldbörse“), mit der man nicht nur seine Handyzahlungen verwalten, sondern auch andere Kundenkarten speichern kann.

Weitere große Banken sind derzeit dabei, die Funktion umzusetzen. Die Bawag will seinen Kunden das Bezahlen mit Handy im ersten Quartal 2016 anbieten, ebenso die Erste Bank. Bei Österreichs größer Direktbank, der Easybank, kann man derzeit „keinen genauen Zeitpunkt bekannt geben, ob bzw. wann Bezahlung mit der NFC-Funktion via Smartphone möglich sein wird“.

Die Erste Bank hat bereits seit Längerem ihr eigenes Zahlsystem namens Blue Code im Einsatz. Dabei wird an der Kasse ein Strichcode auf dem Handy eingescannt und der Betrag direkt vom Konto abgebucht. Mit Blue Code kann man beispielsweise in allen Merkur- und Billa-Filialen bezahlen.

Dieses System zeigt, wohin die Reise geht: Denn mit dem unkomplizierten Zahlen mit Handy und NFC kann jedes Unternehmen und jede Firmenkette ein ganz eigenes Abrechnungssystem aufbauen und damit die Bezahlung von Kreditkartengebühren umgehen. In den USA bietet beispielsweise Starbucks mit einem ganz ähnlichen System wie die Erste Bank seinen Kunden die Möglichkeit, für ihren Kaffee mit iPhone oder Android über ein Guthabenkonto zu bezahlen.

 

Apple, Google gegen Visa, Mastercard

Apple tritt mit seinem Apple Pay ebenfalls als Zahlungsdienstleister auf, ebenso Google mit Google Wallet und auch der Handyhersteller Samsung mit Samsung Pay. Auch Microsoft will für sein Windows 10 bald ein eigenes Zahlsystem herausbringen.

Für die Kreditkartenfirmen wird diese Konkurrenz zu einem ernsten Problem. Visa, Mastercard, American Express und Diners verdienen bei jeder Transaktion Geld. Weniger Transaktionen bedeuten weniger Umsatz. Und das ständig präsente Handy hat die größte Chance, die Kreditkarte bzw. auch die Bankomatkarte zu ersetzen.

Beim mobilen Bezahlen geht es um sehr viel Geld. Gartner glaubt, dass 2017 der weltweite Umsatz bei 720 Milliarden Dollar liegen wird. 2014 wurden gerade einmal 235 Milliarden Dollar mobil bezahlt. (red.)

Auf einen Blick

Die ersten Banken bieten jetzt die Möglichkeit an, das Smartphone zur Bankomatkarte zu machen: die Bank Austria, die Oberbank und einige Raiffeisenbanken (Oberösterreich, Kärnten, Tirol). Die Erste Bank und die Bawag werden ab dem ersten Quartal 2016 das Zahlen mit Handy umsetzen. Voraussetzung ist ein Mobiltelefon mit NFC (Near Field Communication) und Android. Apple lässt das Zahlsystem auf seinen Handys nicht zu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2015)