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Der Euro ist ein klassischer Short-Kandidat

(c) EPA (Karl-Josef Hildenbrand)
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Die bevorstehenden Notenbankentscheidungen werden die Europawährung wohl unter die Dollarparität drücken.

Spekulationen sind eine heikle Sache, denn die Märkte halten sich zu oft nicht an die schönen Prognosemodelle, die man sich selbst ausgedacht oder von Experten besorgt hat. Das gilt ganz besonders für den Devisenmarkt, dessen kurzfristige Kapriolen schon so manchen Privatanleger um den Schlaf gebracht haben. Aber manchmal ergibt sich eben eine „Bank“, eine Situation, in der man nach menschlichem Ermessen nur wenig falsch machen kann.

Eine solche erleben wir derzeit in der Euro/Dollar-Relation. Da verschieben sich die Kräfteverhältnisse schon seit einiger Zeit in Richtung USA. Und jetzt könnte sich das Ganze noch ordentlich beschleunigen. Denn im Dezember stehen zwei Zentralbankbeschlüsse an, die gemeinsam in eine Richtung wirken: Die US-Notenbank Fed wird, so wie es aussieht, nun doch ihre erste Zinserhöhung seit vielen Jahren durchführen, und die EZB wird gleichzeitig ihre Geldpolitik weiter lockern.

Die Chancen, dass die Fed nun doch ein wenig auf die Bremse tritt, werden jetzt jedenfalls auf deutlich mehr als 50 Prozent geschätzt. Viel wird es nicht werden. Wahrscheinlich nur ein symbolischer Akt, bei dem die derzeit geltende Leitzinsspanne von null bis 0,25 Prozent auf 0,25 Prozent festgezurrt wird. Aber das Signal zur möglichen Zinswende ist damit gesetzt. Die EZB, deren geldpolitische Lockerungsmaßnahmen bisher viel zu wenig Wirkung gezeigt haben, wird dagegen wohl den Geldhahn noch ein Stück weiter aufdrehen.

Das schwächt den Euro und stärkt den Dollar. Am Freitag musste man für einen Euro noch knapp 1,07 Dollar zahlen. Aber wahrscheinlich schon Anfang Dezember werden wir die Euro/Dollar-Parität erleben. Und danach geht es wohl weiter abwärts. Im Spätwinter könnte ein Euro nur noch 0,9 Dollar-Cent kosten.

Nicht, dass es das nicht schon einmal gegeben hätte. Aber in diesem Jahrtausend hat der Euro noch nie unter pari notiert.

Aus Anlegersicht ist er damit ein klassischer Short-Kandidat. Kleinanleger können da unter anderem mit Put-Optionsscheinen oder CFDs (steht für Contract for Difference) mitmischen. Zahlt sich wahrscheinlich aus.

Allerdings folgt der obligate Warnhinweis: Optionsscheine und CFDs sind gehebelte Produkte, das Verlustpotenzial ist also erheblich, bei CFDs geht es sogar weit über die eingesetzte Summe hinaus. Man sollte dabei also wissen, was man tut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2015)