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Wo nicht nur Gespenster anzutreffen sind

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wenn es dunkel wird und kalt in alten Gemäuern, muss das nicht gleich gruselig sein. Im Gegenteil: Gerade in Niederösterreich gibt es viele Weihnachtsmärkte auf Burgen und in Schlössern. Sechs Tipps für den Start in den Advent.

Sie sind manchmal gar nicht so leicht zu erreichen und öffnen nur an ausgewählten Wochenenden. Gerade in Niederösterreich werden viele Weihnachtsmärkte in Schlössern und Burgen veranstaltet. Die alten Gemäuer bieten ein besonderes Ambiente: Während anderorts bunte Glühbirnen für Licht sorgen, werfen hier Kerzen und Fackeln Schatten an die Wand. Da lohnt es sich, nicht unter den ersten Besuchern zu sein. Egal, wohin man fährt: Die Dunkelheit rückt die Märkte erst ins rechte Licht.
Burg Heidenreichstein, Waldviertel

Nur an einem Wochenende, nämlich am 5. und 6. Dezember, wird ganz oben im nördlichen Waldviertel im Schloss Heidenreichstein der Heidenreichsteiner Burgadvent veranstaltet. Zu bewundern gibt es eine Krippenausstellung und Weihnachtsdekoration. Wer will, kann einen echten Waldviertler Christbaum kaufen. Wer lieber in Kulinarisches investiert, greift zu Maroni, Ofenerdäpfeln oder Punsch. Der eine oder andere wagt eine Runde durch den Ort in der Pferdekutsche. Das Bläserensemble der Stadtkapelle Heidenreichstein gibt an beiden Tagen jeweils um 17 Uhr ein Konzert, am Samstag um 20.30 Uhr wird das Musikfeuerwerk im Burggarten entzündet. (www.waldviertelnord.at, freier Eintritt.)
Schloss Weitra, Waldviertel

Die Adventtage auf Schloss Weitra finden nur am ersten Adventwochenende statt, heuer also am 28. und 29. November. Weitra im Westen von Niederösterreich erstrahlt an diesen Tagen in einer märchenhaften Kulisse. Vom mittelalterlichen Stadtkern spaziert man hinauf ins weihnachtlich dekorierte Schloss. Dort gibt es neben regionalem Kunsthandwerk auch „lebendes Handwerk“ zu sehen. Das heißt, die Besucher können zusehen, wie beispielsweise Trachten und handgeschöpftes Büttenpapier entstehen. Dazu gibt es kulturelle Benefizveranstaltungen wie Buchpräsentationen von Waldviertler Schriftstellern. Wer dann Hunger bekommt, labt sich am besten an schmackhaften Speisen: Feuerflecken, Mohnnudeln, Geselchtem, würzigem Käse, frischem Brot oder Hochprozentigem wie Waldviertler Whisky. (schloss-weitra.at, Eintritt: freie Spende.)
Rosenburg, Waldviertel

Ganz klassisch gibt sich die Rosenburg im Waldviertel mit ihrem Traditionellen Waldviertler Christkindlmarkt. Da gehört es freilich zum guten Ton, dass die Besucher nicht von bunt strahlenden Glühbirnen empfangen werden, sondern von wildromantischen Fackeln, die das Burgtor und den Hof erleuchten. Im Burginneren wird auf poppige Weihnachtslieder verzichtet, dafür stimmt Blasmusik auf die stillste Zeit des Jahres ein. Beim Weihnachtsmarkt findet man etwa selbst gemachtes Kunsthandwerk aus Holz und extravagant Kulinarisches wie ungarisches Lángos. Außerdem bietet ein Rahmenprogramm Adventkranzbinden, Krippenspiel im Turnierhof sowie Lesungen und Konzerte im Marmorsaal. Der Markt findet an zwei Wochenenden statt, von 28. bis 29. November und von 5. bis 8. Dezember. (www.rosenburg.at/christkindlmarkt, Eintritt: Erwachsene: fünf Euro.)
Schloss Grafenegg, Weinviertel

Vielen Nichtniederösterreichern ist das Schloss Grafenegg aufgrund seiner ganzjährigen kulturellen Angebote ein Begriff. In der Vorweihnachtszeit gibt es im atmosphärisch beleuchteten Park sowie im Schloss unzählige Stände, die viele schöne Geschenks- oder Dekorationsideen anbieten. Für die Unterhaltung der Kleinen ist mit einem Streichelzoo, einer Kinderholzwerkstatt sowie der Christkindlbackstube gesorgt, für die Großen gibt es im Veranstaltungsraum kulturelle Darbietungen, durchaus mit prominenten Namen: Erika Pluhar, Cornelius Obonya sowie Christoph Wagner-Trenkwitz und Karl Hohenlohe halten etwa Lesungen ab. Im Auditorium finden zudem Weihnachtskonzerte des Tonkünstler-Orchesters statt. Der Grafenegger Advent ist von 5. bis 8. Dezember geöffnet und zählt zu den größten Weihnachtsmärkten in Niederösterreich. Heuer feiert der Adventmarkt übrigens sein 40. Jubiläum. (www.grafenegg.com/advent, Eintritt: 7,50 Euro.)
Burgruine Aggstein, Wachau

Es ist wohl der Weihnachtsmarkt, der am schwierigsten zu erreichen ist: Wer den Adventmarkt in der Burgruine Aggstein in der Wachau besucht, muss zuerst einen 45-minütigen, sehr steilen Weg zur Burg absolvieren. Die weniger Sportlichen nehmen freilich einen der Shuttlebusse, die regelmäßig vom Parkplatz abfahren. Doch die Anreise lohnt sich, oben tauchen Fackeln die Ruine in ein festliches Licht. Die unzähligen Stände mit gutem Essen und schönem Kunsthandwerk heißen die Besucher willkommen. Wer den Aufstieg noch vor Sonnenuntergang wagt, wird mit einem beeindruckenden Panoramablick auf die Wachau belohnt. Der Markt wird jedes Jahr an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden veranstaltet: Heute, Sonntag, ist der letzte Termin. (www.ruineaggstein.at, Eintritt: 4,50 Euro.)
Noch mehr Märkte, Niederösterreich

Einzigartig im Weinviertel: Der Advent in der Loamgrui in Unterstinkenbrunn (von 28. und 29. November) wird in einer Kellergasse gefeiert, die eigentlich ein ganzes Kellerdorf ist. In ungefähr 60 Presshäusern werden zahlreiche regionale Produkte angeboten (www.loamgrui.at). Eine besondere Attraktion beim Advent in der Johannesbachklamm (von 5. bis 8. Dezember) ist der größte geschmückte Christbaum Österreichs, der aufgeputzt mit überdimensionalen Kerzen und Kugeln Lust auf Weihnachten macht (www.wuerflach.at). Beim Ybbser Adventzauber (von 4. bis 6.Dezember ) erwächst ein kleines Dorf vor der Kirche (www.ybbs.gv.at). Ein Adventmarkt in der längsten Kellergasse Europas (am 5. und 6. sowie 12. und 13. Dezember) findet in der Marktgemeinde Hadres statt (www.hadres.at).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2015)