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Fußball: „Real Madrid ist zu bedeutend, um pleitezugehen“

(c) Reuters (Stephan Wermuth)
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Hohe Schulden sind kein Hindernis, Rekordablösen zu zahlen. Das „Weiße Ballett“ hat unbegrenzt Kredit. Hinter den Transaktionen von Real Madrid steckt der neue, alte Präsident Florentino Pérez.

WIEN (Bloomberg). Nach Ansicht von Sportexperten sind die vom spanischen Meister Real Madrid gezahlten Ablösesummen für die beiden Topspieler Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro) und Kaká (68 Millionen Euro) ein Risiko für sämtliche europäischen Fußballvereine. „Real Madrid treibt quasi die Inflation am Transfermarkt an“, sagt Simon Chadwick, Sportökonom der Universität Coventry in England.

„Wir werden in den kommenden Monaten bis zum Saisonbeginn einen deutlichen Anstieg der Transfersummen erleben“, prophezeit er. Dabei könne sich der Sport diese Entwicklung nicht leisten, da die finanzielle Lage vieler Klubs sehr angespannt sei.

Einer Studie der Wirtschaftsprüfer Deloitte LLP zufolge stiegen die von den 92 wichtigsten Profivereinen in England bezahlten Transfersummen von 2007 auf 2008 um 35 Prozent auf 779 Millionen Pfund (916 Millionen Euro).

Hinter den Transaktionen von Real Madrid steckt der neue, alte Präsident Florentino Pérez. Bereits während seiner Amtszeit 2000 bis 2006 setzte er konsequent auf große Namen und warb Ausnahmespieler wie David Beckham und Zinedine Zidane an.

 

Zehn Millionen Jahresgage

Der spanischen Tageszeitung „El Mundo“ zufolge wird der 24-jährige Portugiese Ronaldo sechs Jahre lang pro Saison zehn Millionen Euro verdienen. Die Bedingungen des Sechsjahresvertrags für Kaká legten weder Madrid noch Mailand offen.

Chadwick, der einen Lehrstuhl für Strategie und Marketing im Sportgeschäft innehat, rechnet damit, dass die Verpflichtung von Kaká und Ronaldo jährlich rund 175 Millionen Dollar (126 Millionen Euro) aus dem Verkauf von Trikots und Fanartikeln einbringen dürfte.

Der 62-jährige Florentino Pérez ist der Chef des größten spanischen Bauunternehmens, Actividades de Construcción y Servicios SA (ACS). Er wurde am 1. Juni nun erneut zum Präsidenten von Real Madrid gewählt.

Höhepunkt der ersten Amtszeit von Pérez war der Gewinn der Champions League im Jahr 2002. Seinerzeit finanzierte er neue Spieler durch den Verkauf des Klubtrainingsgeländes für 500 Millionen Euro. Vergangenen Monat teilte er mit, diesmal werde Real Madrid Kredite aufnehmen müssen, um sich neue Stars leisten zu können.

Im Juni 2008 hatte der Verein Verbindlichkeiten von 563 Millionen und im Geschäftsjahr 2008 einen Umsatz von 365,8 Millionen Euro. Banco Santander, Spaniens größte Bank, wollte Berichte nicht kommentieren, sie stelle Real für den Kauf Ronaldos einen Kredit.

Dabei hat Real Madrid nach Worten von Stefan Szymanski, Volkswirt der Cass Business School in London, bei seiner „Hochrisikostrategie“ einen Trumpf im Ärmel. „Real ist zu bedeutend, um zu scheitern – wie hoch sie sich auch verschulden“, sagt er. „Keine Bank würde jemals zulassen, die Bank zu sein, die den Untergang von Real Madrid besiegelt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2009)