Der Trend zu hochkomplexen Finanzmodellen für Geldwäscher scheint vorbei zu sein: Die Risiken am Finanzmarkt und raffinierte Methoden der Fahnder lassen Geldwäscher wieder zu traditionellen Methoden zurückkehren.
Zurück zu den Wurzeln oder Low Tech statt High Tech - das ist derzeit offenbar das Motto internationaler Geldwäscher. Hochkomplexe Finanzmodelle, um die Gewinne illegaler Geschäfte zu legalisieren, gehören laut der europäischen Polizeibehörde Europol eher der Vergangenheit an. Der Grund ist klar, wie Europol-Experten klarlegten: Das geringere Risiko für die Täter.
Aufklärer zu erfolgreich
"Es gibt eine Konsequenz der weltweiten Aufklärungsmechanismen, die verdächtige Transaktionen entdecken und melden sollen: Diese Aufklärungsarbeit ist nämlich ein Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Die Kriminellen sind dahintergekommen, dass sie das internationale Finanzsystem vermeiden müssen. Also sind sie zum Bargeld zurückgekehrt", schildert Carlo von Heuckelom, Chef der Abteilung für Finanz- und Eigentumskriminalität bei Europol. "Der Euro ist hoch angesehen in der ganzen Welt. Ein 500-Euro-Schein ist ein sehr nützliches Werkzeug.
Rückkehr des Geldkoffers
Das Geld wird über die Grenze geschmuggelt. Dort geht ein Mitglied der kriminellen Gruppe zur Bank, eröffnet ein oder mehrere Konten und zahlt den Betrag dort ein. In anderen Ländern werden weitere Konten - oft von Strohmännern - eröffnet, auf die das Geld weitertransferiert wird. "Der verwundbare Punkt ist, dass man das Geld in den Bankkreislauf einschleusen kann, ohne dass die Banken die zuständigen Behörden informieren müssen", erklärt Geldwäsche-Experte Mauro Falesiedi.
Bargeld schwer zu entdecken
Für die Verfolgungsbehörden wird es doppelt schwer: Erstens müssen sie beispielsweise auf einem Frachtschiff mit 8.000 Containern genau den einen herausfiltern, in dem sich das Geld befindet. Zweitens bleibt dann noch immer die Frage nach der kriminellen Herkunft der Summe. Die Palette, wie das Geld über die Grenze gebracht wird, reicht vom klassischen Koffer über eigens konstruierte Geldanzüge, ganze Container bis hin zu Drogenschmuggel-Methoden. "Wir haben Bodypacker, die bestimmte Summen in Plastik oder Gummi verpackt geschluckt hatten. Das Geld wurde wieder ausgeschieden."
Milliarde gefunden, 1,2 Billionen gewaschen
Auf den US-Flughäfen, vor allem in Houston, Miami und New York, wurde im Jahr 2008 insgesamt eine Milliarde Euro abgefangen. Bei dieser Summe bestand der Verdacht, dass es sich um Drogengeld handelte. Bei Europol wollte man weder Zahl noch Zusammenhang mit Suchtgiftgeschäften kommentieren. Aber eines bestätigten auch Carlo van Leuckehom und Mauro Falesiedi: "Wir haben nur die Spitze des Eisbergs gesehen."
Nach einer vorsichtigen Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurden allein 2007 zwischen 800 Milliarden und 1,7 Billionen Dollar (578 Mrd. bis 1,227 Billionen Euro) gewaschen.
(APA)