Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Spielfeld: Wo bleiben die Flüchtlinge?

FL�CHTLINGE: ANKUNFT IN SPIELFELD
(c) APA/ERWIN SCHERIAU
  • Drucken

Nächste Woche wird mit dem Zaunbau in Spielfeld begonnen. Seit rund einer Woche kommen aber keine Flüchtlinge mehr. Der Grund dafür ist nicht nur das Wetter.

Spielfeld. Zaun oder nicht Zaun – das ist seit Wochen die politisch heftig diskutierte Frage. Anfang nächster Woche soll mit der Befestigung eines Teils der Grenze zu Slowenien im steirischen Spielfeld begonnen werden. Es werde planiert, geschottert und im Kernbereich Container wurden aufgestellt, hieß es Freitag von der steirischen Polizei auf „Presse“-Anfrage. Gleichzeitig laufen die Verhandlungen mit den Grundbesitzern, um den dazugehörigen 3,7 Kilometer langen Zaun links und rechts der Sammelstelle errichten zu können.

Rund 300 Meter sollen in Richtung Osten bis zum Bubenberg führen – der Rest wird Richtung Westen bis zur alten Grenzübertrittsstelle im Bereich des Platsch reichen. Der besonders stabile Maschendrahtzaun wird bis zu 2,5 Meter hoch sein – im Kernbereich aufgrund des zeitweise großen Menschenandrangs sogar bis zu vier Meter – die baulichen Maßnahmen sollen noch heuer fertig werden. Von einem großen Flüchtlingsandrang – bzw. von irgendeinem Flüchtling kann derzeit in Spielfeld aber nicht die Rede sein. Bereits seit Tagen hat hier niemand mehr die Grenze passiert.

Ähnlich ist die Situation in Oberösterreich in Schärding oder auch in Kollerschlag. Nur in Kärnten kommen noch Flüchtlinge, am Freitag waren es 1900 – das ist aber auch um rund die Hälfte weniger als bisher täglich kamen.

 

Turbulenzen auf der Balkanroute

Warum der Flüchtlingsstrom abgerissen ist, hat mehrere Gründe: Einer sind wohl die niedrigen Temperaturen, die Menschen davon abhalten, die Reise anzutreten. Ein anderer die angespannte Situation an der mazedonisch-griechischen Grenze. Mazedonien nimmt seit dem 19. November eine Vorsortierung der Flüchtlinge vor und lässt nur noch Syrer, Iraker und Afghanen ins Land. Im griechischen Grenzort Idomeni warten derzeit Hunderte aus dem Iran, Bangladesch, Pakistan und Somalia auf eine Weiterreise. Die Stimmung ist unter den unterschiedlichen Gruppen angespannt – rund 200 Flüchtlinge versuchten am Donnerstag, gewaltsam den Grenzübertritt zu erzwingen. Griechenland zeigt sich zunehmend empört über das Vorgehen Mazedoniens, Hilfsorganisationen fürchten eine humanitäre Notlage, wenn die Menschen nicht weiterreisen dürfe.

Abgesehen von der angespannten Lage dort, strandeten in den vergangenen Tagen aber auch weniger Flüchtlinge in Griechenland. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass nun auch die Türkei laut einigen Medienberichten den Zutritt verschärft hat. Angeblich werden Syrer wieder ins Kriegsgebiet zurückgeschickt.

(c) Die Presse

 

Verlegung des Grenzübergangs

Während sich die Situation auf der Balkanroute also zuspitzt, freuen sich die österreichischen Behörden und freiwilligen Helfer über die Verschnaufpause. In Kollerschlag nutzt man die Gelegenheit, um den Grenzübergang zwei Kilometer nördlich in die Gemeinde Nebelberg zu verlegen. Dort wird derzeit ein Platz asphaltiert.

Anschließend soll dort ein winterfestes Großzelt mit 1000 Quadratmetern Grundfläche errichtet werden – heute Nacht soll es erstmals schneien. Der neue Grenzübergang wird mit 5. Dezember in Betrieb genommen. Die Verlegung sei auch wichtig, damit die Sperre für den öffentlichen Verkehr wieder aufgehoben werden könne, heißt es seitens der oberösterreichischen Polizei. Derzeit wird in Oberösterreich nur noch der Grenzübergang in Braunau für die Abfertigung der Flüchtlinge genutzt – rund 500 Menschen warten hier auf die Weiterreise.

Auch zwischen Salzburg und Deutschland fahren mittlerweile wieder Züge. Passagiere müssen aber auf dem Salzburger Bahnhof umsteigen und vor ihrer Weiterreise gültige Papiere vorweisen. Die Kontrolle wird direkt auf dem Bahnsteig vorgenommen. An der Grenze zu Freilassing geht die Abfertigung der Flüchtlinge in geordneten Bahnen weiter. Weil Deutschland eine Begrenzung von 50 Menschen pro Stunde eingeführt hatte, hat sich in Österreich ein Rückstau gebildet, der nun nach und nach abgebaut wird. Das Innenministerium geht nicht davon aus, dass die Situation so entspannt bleibt und die Flüchtlinge ausbleiben. Spätestens dann, wenn die Temperaturen wieder steigen und Mazedonien wegen des großen Drucks die Grenzen aufmachen muss, müsse wieder mit Flüchtlingszahlen wie in den vergangenen Wochen gerechnet werden.

Flüchtlingskrise - Diskutieren Sie mit im Themenforum!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2015)