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Ein neuer Anlauf zur Rettung der Welt

Eine der zahlreichen weltweiten Kundgebungen anlässlich der Pariser Klimakonferenz
Eine der zahlreichen weltweiten Kundgebungen anlässlich der Pariser KlimakonferenzAPA/AFP/JOHN MACDOUGALL
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Heute beginnt in Paris wieder einmal eine UN-Klimakonferenz. Bis zu 40.000 Menschen werden erwartet, darunter 10.000 Delegierte aus allen Ländern des Planeten.

Die UN-Klimakonferenz COP21, die am Montag in Le Bourget nahe Paris beginnt, steht ob der Anschläge von Paris unter für eine Veranstaltung dieser Art ungekannt strengen Sicherheitsmaßnahmen. 2800 Polizisten und Gendarmen sind am Tagungsort, wo über zwölf Tage bis zu 40.000 Menschen sein werden, darunter 10.000 Delegierte von Regierungen aus 193 Ländern, 14.000 Beobachter (etwa von NGOs) und rund 3000 Journalisten. Am Montag werden zudem 147 Staats- und Regierungschefs da sein, etwa US-Präsident Barack Obama, Russlands Präsident, Wladimir Putin, Chinas Staatschef, Xi Jinping, und die deutsche Kanzlerin, Angela Merkel. Bundeskanzler Werner Faymann übrigens auch.

Wieder einmal geht es um die Rettung der Welt: Die Staaten wollen einen verbindlichen Klimavertrag, der den Temperaturanstieg langfristig auf zwei Grad begrenzen soll. Wie das gehen soll? Rund 180 Staaten haben im Lauf der Jahre Zusagen zur Senkung der Emissionen von Treibhausgasen (vor allem Kohlendioxid, Methan, Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW) vorgelegt. Das Niveau ist aber unterschiedlich und oft schwer vergleichbar. Die EU, also auch Österreich, will die Emissionen bis 2030 um 40 Prozent, verglichen mit 1990, senken, die USA bis 2025 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005. Schwellenländer wie China und Indien wollen zunächst nur die Emissionsintensität senken, also den Ausstoß, gemessen am Wirtschaftswachstum. Andere Staaten nennen nur vereinzelte technische Maßnahmen.

Das Problem: Selbst wenn alle Zusagen halten, könnte die Erderwärmung stärker ausfallen. Viele Wissenschaftler rechnen mit plus 2,7 Grad, ja mehr als drei Grad Celsius. Umgekehrt wollen viele vom Klimawandel besonders betroffene Länder, etwa Inselstaaten im Pazifik, nur ein (unrealistisches) Plus von 1,5 Grad akzeptieren. Auch die rechtliche Verbindlichkeit eines Abkommens sowie eventuelle Sanktionen sind strittig – ganz abgesehen davon, dass der aktuell republikanisch dominierte US-Kongress die nötige Ratifizierung wohl nicht vornehmen wird.

Szenarien mit plus 6,4 Grad

Zur Bewältigung von Klimafolgen und für den Klimaschutz sollen ärmeren Staaten in einem Fonds ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen. Die Finanzierung steht nur teilweise, und es ist unwahrscheinlich, dass die Summe auch nur in Ansätzen reicht, um Schäden zu decken oder Maßnahmen zu finanzieren, wenn der Wandel so anhält, und nicht nur: Ohne Maßnahmen wird die Temperatur bis 2100 im Mittel um 3,7 bis 4,8 Grad steigen, es gibt sogar wilde Szenarien mit bis zu 6,4 Grad plus. Dabei habe schon die Erwärmung von plus ein Grad seit 1850 die vergangenen drei Jahrzehnte zu den wärmsten seit damals gemacht, sagen Forscher. Und das sei mit vermehrten Stürmen, Überschwemmungen, Gletscherschmelzen, Missernten und anderen Phänomen einhergegangen.

Verschiedene Weltregionen sind, wie das UN-Klimaexpertengremium IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) betont, durch den Klimawandel schon jetzt auf teils ganz spezifische Weise betroffen – und vordergründig nicht immer nur negativ. Das ergibt sich im Folgenden aus der Karte oben und den folgenden jeweiligen Feststellungen des IPCC dazu.

 

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Lexikon

Die zehn Staaten, die von Auswirkungen des Klimawandels am stärksten gefährdet sind, sind laut UN Honduras, Nicaragua, Guatemala, Haiti und die Dominikanische Republik, dazu in Asien Pakistan, Bangladesch, Burma, Vietnam und die Philippinen. Die Gründe sind vielfältig: In Mittelamerika etwa sind es Trockenheit und häufigere Hurrikans, in Bangladesch, Pakistan und den Philippinen Überflutungen – auch in Verein mit dem steigenden
Meeresspiegel, der an den Küsten nagt.

Der Klimagipfel von Paris findet in Le Bourget im Nordosten der Stadt statt. Bis zu 40.000 Menschen werden ab Montag im Lauf von zwölf Tagen erwartet, davon etwa 10.000 Delegierte der Regierungen von 193 Ländern. Gleich am Montag sind überdies Staats- und Regierungschefs aus 147 Ländern dort, darunter aus den USA, Russland, China, Indien, Brasilien und Deutschland – nach den Attentaten von Paris ein Albtraum für die Sicherheitskräfte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2015)