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ÖSV-Kritik an kanadischer Rettungskette

(c) APA/EPA/MIKE STURK

Nach dem Sturz von Markus Dürager in Lake Louise forderte Abfahrtschef Florian Winkler Änderungen. "Kann nicht sein, dass stundenlang herumgefahren wird."

Lake Louise/Aspen. Der schwere Sturz von Markus Dürager hat das erste Speedrennen der Saison in Lake Louise überschattet. Die anschließende Rettungskette sorgte für Ärger beim ÖSV. Der 25-jährige Salzburger, der bei einem Sprung im unteren Streckenteil die Kontrolle verloren hatte, wurde zunächst ins Krankenhaus nach Banff gebracht, wo ein Schien- und Wadenbeinbruch sowie ein Bruch des Handgelenks diagnostiziert wurde. Danach erfolgte der Weitertransport nach Calgary – Gesamtdauer: rund fünf Stunden.

„Es kann nicht sein, dass der Bursche mit einem offenbar doch recht komplizierten Unterschenkelbruch stundenlang herumgefahren wird“, kritisierte Abfahrtschef Florian Winkler und erinnerte an den Fall von Matthias Lanzinger, dem 2008 nach einem Unterschenkelbruch wegen einer missglückten Behandlung in Norwegen das Bein amputiert werden musste. Bei Dürager verlief der Eingriff am Schienbein im Foothills Medical Center von Calgary komplikationslos, Handgelenk und Wadenbein werden erst in der Heimat behandelt. Laut Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher gehe es ihm "den Umständen entsprechend" gut.

Dennoch regte Winkler eine Überarbeitung des in Kanada angewandten Protokolls zur Versorgung von nicht lebensgefährlich verletzten Skirennfahrern an. Das dortige Prozedere steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. 2009 etwa waren Thomas Lanning und John Kucera ähnlich umständlich und langwierig herumkutschiert worden. „Ich verstehe nicht, warum man nicht endlich reagieren und lernen will“, kritisierte Winkler. „Das ist so, wie wenn man bei uns einen gestürzten Läufer von Seefeld nach Innsbruck und von dort nach Salzburg bringt, statt ihn direkt in die Klinik zu fliegen. Wir sind alle dafür, dass sich am System endlich etwas ändern sollte.“

 

Shiffrins „coolster Rekord“

Im ersten Aspen-Slalom am Samstag verzückte Mikaela Shiffrin US-Fans und Experten. Die 20-Jährige siegte mit dem Vorsprung von 3,07 Sekunden – eine Bestmarke für die Ewigkeit. „Der coolste Rekord überhaupt“, freute sich die zweifache Weltmeisterin über die Wiedergutmachung für den Ausfall im Riesentorlauf. „Ich habe mich vom Ärger über den Ausfall antreiben lassen.“

Manager Kilian Albrecht ist überzeugt, dass Shiffrin noch lang nicht an ihre Grenzen gelangt ist. „Einfach, weil ihre technische Grundausstattung mega ist.“ (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2015)