Wer hier ein Unternehmen gründet, dem ist nicht mehr zu helfen

Die Feindseligkeit gegenüber Unternehmen und Eigentum hat in der Ära Faymann ein Maß angenommen, das unerträglich geworden ist.

Wir alle wissen nicht, was in den vergangenen Wochen und Monaten bei Zielpunkt genau passiert ist. Wir wissen, dass fast 3000 Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Nicht nur Mitarbeiter, die bisher bei Zielpunkt ihr Geld verdient haben. Leider reißt es bei Großinsolvenzen auch viele Lieferanten mit, der Wurstfabrikant Schirnhofer ist ebenfalls zahlungsunfähig. Und es ist zu befürchten, dass die Zielpunkt-Pleite noch einige andere Geschäftspartner in Bedrängnis bringen wird.

Wir wissen nicht, wie sauber dieser Konkurs über die Bühne gegangen ist, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt dieses Wort verwenden darf. Es wird Sache des Masseverwalters sein, genau zu prüfen, ob das Unternehmen „redlich“ gescheitert ist oder nicht.

Aber offenbar wissen einige Politiker und Gewerkschaftsbosse mehr. Seit Tagen hagelt es wüste Vorwürfe gegen das Unternehmen. Die Gewerkschaft prüft Klagen, der Sozialminister spricht von „Riesensauerei“, und auch der Arbeiterkammer-Präsident stellte sich vor den Christbaum, um das Lied vom herzlosen Firmenchef zu singen. Jetzt könnte man sagen: Das sind Interessenvertreter, die machen auch nur ihren Job.

Aber es ist leider mehr dahinter. Wir haben in Österreich ein Maß an Feindseligkeit gegenüber Unternehmen und Eigentum erreicht, das nicht mehr zu ertragen ist. Das zieht sich wie ein – im wahrsten Sinn des Wortes – roter Faden durch die Ära Faymann. Jetzt gerade brennt diese Lunte wieder lichterloh. Sonst schwelt diese Stimmung aus Neid und Argwohn permanent dahin.

Wenn heute einer in diesem Land ein Unternehmen aufsperren möchte, dann kann man ihm eigentlich nur einen wohlgemeinten Rat geben: Bitte, lass die Finger davon! Es hat keinen Sinn, in Österreich einer unternehmerischen Tätigkeit nachzugehen.

Wenn es unbedingt sein muss, dann tarne dein Unternehmen einfach als eine NGO oder einen Hilfsverein. Lass dir dort eine ordentliche Geschäftsführer-Gage auszahlen, aber nenne dich um Himmels willen nicht Geschäftsführer oder Unternehmer. Nenne dich Aktivist. Oder Sozialexperte, das klingt wenigstens arm. Lebe tunlichst von Spenden und Förderungen, aber erwirtschafte nur ja keinen Gewinn.

Und vor allem: Vermeide jegliches unternehmerisches Risiko. Setze nicht dein eigenes Geld aufs Spiel. Es wird dir niemand danken. Und selbst wenn du noch so viele Steuern zahlst, es wird immer zu wenig sein. Und der Generalverdacht bleibt. Jener nämlich, du hättest den Staat betrogen.

Und solltest du tatsächlich einmal als Unternehmer scheitern, rechne nicht mit Verständnis. Rechne mit dem Schlimmsten. Dann haben nämlich alle anderen schon längst gewusst, dass du zumindest eine Riesensauerei begangen hast und eigentlich ins Gefängnis gehörst.

Es ist schon sehr interessant, wer sich in diesem Land als Unternehmensberater aufspielen darf. Es sind zum Teil genau jene, die in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich dazu beigetragen haben, dass unsere Staatsschulden explodiert sind, dass unser Pensionssystem aus dem Ruder läuft, dass Arbeitnehmer einen realen Einkommensverlust erleiden.


Es sind auch jene, die etwa bei einer unter staatlichem Einfluss stehenden Provinzbank im Süden dieses Landes so lang weggesehen haben, bis sich das Desaster zu einem generationenübergreifenden Langzeitprojekt ausgewachsen hat. All die wissen jetzt in der Causa Zielpunkt plötzlich, wie man als Unternehmer zu agieren hat.

Wir alle wissen nicht, was in den vergangenen Wochen und Monaten bei Zielpunkt passiert ist. Wir haben den für diese Pleite verantwortlichen Unternehmer weder in Schutz zu nehmen noch zu verurteilen. Aber wer dieser Tage sorgenvoll einen Blick auf die Arbeitslosenzahlen wirft, sollte darüber nachdenken, warum es eigentlich „Arbeitgeber“ heißt. Der Name spricht für sich.

E-Mails an: gerhard.hofer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2015)