Vergleich bei Constantia Packaging?

Am Donnerstag findet eine Verhandlung statt, bei der fünf Jahre nach dem Verkauf ein Kompromiss für den Streubesitz erzielt werden könnte.

Wien. Fünf Jahre lang wurde gestritten und gefeilscht – zwei Jahre dauerte es, bis das Gutachten vorlag. Nun könnte es in der Auseinandersetzung um die Abfindung der Minderheitsaktionäre der Constantia Packaging (CP) eine endgültige Lösung geben. Am Donnerstag findet dazu eine Verhandlung statt, bei der ein Vergleich ausgehandelt werden könnte. Das ist zumindest die Hoffnung von Wilhelm Rasinger, dem Präsidenten des Interessenverbands der Anleger, und jenen neun Prozent der CP-Aktionäre, die anlässlich des im August 2010 beschlossenen Squeeze-out Feststellungsklagen auf Überprüfung der Angemessenheit des Angebots eingebracht haben.

Die CP musste infolge der Immofinanz-Affäre an die – von der Turnauer-Stiftung kontrollierte – CP-Holding verkauft werden. One Equity Partners bot 47 Euro je Aktie. 2011 wurde die Amag verselbstständigt. Ende 2014 wurde Constantia Flexibles an die französische Wendel verkauft. Anfang 2015 ging die Duropack an die britische Konkurrenz DS Smith.

Im Zuge des Überprüfungsverfahrens hat der Grazer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Klaus Rabel (BDO Graz) ein Gutachten erstellt. Rabel schlägt eine Bandbreite von 67,55 bis 71,29 Euro je Aktie vor. Selbst bei einer Einigung auf 68 Euro müsste One Equity Partners 32 Mio. Euro auf den Tisch legen. Bei 71 Euro je Aktie wäre eine Nachzahlung von 36 Mio. Euro fällig.

Andere Berechnungen meinen, dass die CP zum Zeitpunkt des Verkaufs sogar zwischen 80 und 100 Euro je Aktie wert gewesen sei. Außerdem wird die Frage spannend, mit welchem Zinssatz die Nachzahlung verzinst wird: zwei oder acht Prozent?

Rasinger hofft trotz der kontroversiellen Sachlage, dass es zu einem Kompromiss kommt, mit dem beide Seiten leben können. „Damit würden weitere Anwaltskosten gespart.“

Nachteilig dürfte die Sache so oder so für die Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac ausgehen: Sie hat einst beim Verkauf wenig erhalten und muss jetzt infolge des 27-Prozent-Pakets von Turnauer bei Constantia Flexibles für die Nachzahlung in die Tasche greifen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2015)

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