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Das AMS und die Kompetenz zur Diskriminierung

Getrenntgeschlechtliche Kompetenzchecks – wem fällt denn so ein Schwachsinn ein?

Der „Kompetenzcheck“, mit dem neuerdings die beruflichen Fähigkeiten von Migranten durch das Arbeitsmarktservice abgeklärt werden, wird in Wien also „getrenntgeschlechtlich“ (und in der Muttersprache) abgehalten, haben wir gestern erfahren. Sonst würden nämlich viele der Kompetenzprüfungskandidaten nicht zum Test erscheinen, heißt es zur Begründung.

Großartig: Damit werden zwei der wichtigsten Qualifikationskriterien für eine Beschäftigung in österreichischen Unternehmen, nämlich Kommunikations- und Teamfähigkeit, aus falsch verstandener Political Correctness bewusst ausgeblendet. Der ganze Test ist also das, was man hierzulande für den Hugo nennt. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren!

Doch, eine: Wem fällt denn so ein Schwachsinn ein? Diese Form der politischen Korrektheit ist rational wirklich nicht mehr zu erklären. Darf man einmal fragen, wie sich die AMS-Kompetenzchecker den weiteren beruflichen Lebensweg der so Getesteten vorstellen? Welche Arbeitsstellen, bei denen man garantiert nicht mit Frauen unter einem Dach arbeiten muss, kann das Arbeitsmarktservice denn vermitteln? Und wie erklärt uns das sozialdemokratisch geführte Sozialministerium, zu dem das AMS ja ressortiert, diese damit salonfähig gemachte Geschlechterdiskriminierung?

Ganz ehrlich: Die Integration von zehntausenden Flüchtlingen und Migranten in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft wird riesiger Anstrengungen bedürfen. Und zwar von beiden Seiten. Von Leuten, die sich dauerhaft hier niederlassen wollen, wird man also ein Mindestmaß an Adaption verlangen müssen. Denn wer nicht in „gemischtgeschlechtlichen“ Betrieben arbeiten will, wird in diesem Land zum Dauermindestsicherungsbezieher mutieren. Das können wir wirklich nicht brauchen.

Dass ausgerechnet das AMS schon bei den ersten Kontakten der Neuankömmlinge Signale aussendet, die sich diametral zum praktischen Berufsleben verhalten, ist also genau genommen ein Skandal.

josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2015)