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Nordkorea: Atomtest sorgt für Rätselraten

(c) AP (Jörg Sarbach)
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Die USA kritisieren Nordkoreas neue Atomdrohungen vor IAEA in Wien. US-Präsident Barack Obama sicherte indes Südkorea Beistand im Atomkonflikt zu: Südkorea bleibe unter dem nuklearen Schirm der USA.

WIEN (ag/tes). Nordkoreas Atomprogramm bewegt die Welt – und die Wissenschaft. Denn der Atomtest vom 25. Mai gibt Rätsel auf: Das Xenon fehlt. Normalerweise messen Experten nach einem unterirdischen Atomtest das Edelgas Xenon in der Luft: Es entsteht bei der Kernspaltung und tritt durch das Gestein aus.

Doch diesmal konnte das weltweite Netz an Messstationen der CTBTO (einer UNO-Organisation, die die Einhaltung des geplanten Kernwaffenteststopp-Vertrags überwachen soll) kein Xenon finden. Auf einer Konferenz in Wien beschäftigte diese Frage letzte Woche immerhin 500 Wissenschaftler aus 86 Ländern.

War der Atomtest nur ein Bluff? Diese Möglichkeit halten die Experten für „höchst unwahrscheinlich“. Dazu hätte Nordkorea tausende Tonnen Sprengstoff simultan zünden müssen. Ein solcher logistischer Kraftakt wäre derzeit praktisch unmöglich und außerdem aufgefallen, so Paul Richards von der Columbia University.

Die wahrscheinlichste Erklärung sei, dass die Edelgase einfach nicht austreten konnten. Das kann man bewusst – und mit sehr viel Aufwand – herbeiführen. Es kann aber auch einfach passieren, wenn geschmolzenes Gestein eine Isolierschicht bildet.

Ebenfalls in Wien protestierten am Mittwoch die USA vor dem Gouverneursrat der Atombehörde (IAEA): Nordkoreas Drohung, seine Plutonium-Bestände in Atomwaffen umzuwandeln, seien ein Verstoß gegen die UN-Resolutionen. US-Präsident Barack Obama sicherte indes Südkorea Beistand im Atomkonflikt zu: Südkorea bleibe unter dem nuklearen Schirm der USA. Nordkorea selbst reagierte auf die verschärften Sanktionen: Das Land räumte seine Auslandskonten, um einem möglichen Einfrieren zuvor zu kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2009)