So long, Silverstone: Formel 1 verlässt ihre Wiege

(c) Reuters (Darren Staples)
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Am 13. Mai 1950 wurde in Silverstone der erste Formel-1-GP gefahren, am Sonntag sagt die Königsklasse ihrem Geburtsort ade. Ab 2010 gehört Silverstone den MotoGP-Piloten, die Formel 1 zieht nach Donington.

Wien. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die Ära der Formel-1-Rennen in Magny Cours beendet. Nicht die Rennstrecke, vielmehr die mangelnde touristische, gastronomische und verkehrstechnische Infrastruktur war Vermarkter Bernie Ecclestone seit Jahren ein Dorn im Auge.

So ähnlich verhält es sich nun mit Silverstone. Nach dem Grand Prix am Sonntag (14 Uhr/ORF1, RTL, Premiere) ist Schluss. Dabei lieben die Fahrer die Strecke, weil sie zu den schnellsten zählt. Weltmeister Lewis Hamilton, der 2008 der zehnte Brite war, der in Silverstone gewann, meinte: „Viele neuere Strecken fühlen sich ähnlich an, aber Silverstone steht für sich: Man ist vom Ausgang von Luffield bis zum Eingang von Stowe nicht auf der Bremse, das ist die halbe Runde. Unglaublich, nicht?“

Jahrelang hatte Ecclestone mit den Betreibern über die Modernisierung des Kurses und die Lizenzgebühren gestritten. Ebenso über die sumpfigen und schlammigen Parkplätze sowie die kilometerlangen Staus auf den Zufahrtsstraßen. „Wir wollten eine Weltklassestrecke für die Formel 1 in Großbritannien. Etwas, auf das wir stolz sein können.“ Ecclestone war auf den Status quo nicht stolz und gewährte die Lizenz nicht länger. Gegen den Willen der Rennställe wie Brawn, Red Bull, McLaren, Williams und Force India, die ihre Hauptquartiere nahe dem „Home of British Motor Racing“ betreiben.

1950 hatte die Formel 1 auf dem ehemaligen Militärflugfeld ihre Geburtsstunde erlebt. Seither gab es 42 Rennen mit dem Italiener Giuseppe Farina als erstem Sieger. 1960 wurde Ex-Motorrad-Champ John Surtees in seinem erst zweiten GP Zweiter. 1973 verursachte Jody Scheckter eine legendäre Massenkarambolage, 1975 gingen beim Neustart nach einem Wolkenbruch nur sechs der ursprünglich 19 Teilnehmer ins Rennen.

Zwölf Jahre später begeisterte Nigel Mansell mit einer unvergleichlichen Aufholjagd und dem Sieg vor Teamkollegen Nelson Piquet. 1994 gelang Damon Hill sein Silverstone-Sieg, nachdem er im Jahr davor in Front liegend an einem technischen Problem gescheitert war: Den Siegespokal überreichte damals Lady Di. Michael Schumacher, 1998 von Hill gerammt, musste 1999 mit einem Abflug in der Stowe-Kurve seine Titelhoffnungen begraben. Er erlitt einen doppelten Beinbruch.

2003 schließlich sorgte ein irischer Priester für Aufsehen, der als Flitzer auf die Piste rannte und von einem Streckenposten mit einem Rugby-Tackle gestellt wurde.

Donington hat Geldsorgen

Ab kommendem Jahr wird der britische Grand Prix in Donington Park ausgetragen, wo die Formel 1 schon 1993 beim Europa-GP zu Gast war. Red-Bulls Mark Webber freut das wenig: „Donington ist ein Motorradkurs. Schade, dass die Rennserien die Strecken tauschen, die Motorradjungs lieben Donington und wir Silverstone.“

Friktionsfrei laufen die Vorbereitungen auf der 200 Kilometer nördlich von London gelegenen Strecke keineswegs. Denn Streckenpromoter Simon Gillett soll Probleme haben, jene rund 100 Millionen Euro aufzutreiben, die er für die Adaptierung der Strecke benötigt. Im Zuge der Wirtschaftskrise hatte Goldman Sachs einen versprochenen Kredit in dieser Höhe zurückgezogen. Gillett aber glaubt, das Finanzloch mit dem Verkauf von Anteilen an der Strecke lösen zu können. Scheitert sein Plan, droht Großbritannien eher den GP zu verlieren, als dass Silverstone ein Comeback feiern könnte. Denn Ecclestone hat mit Gillett einen 17-Jahres-Vertrag abgeschlossen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2009)

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