Manhattan hat ein neues Wahrzeichen, den High Line Park. Besonders freuen sich Designer wie Diane von Fürstenberg oder Calvin Klein darüber.
Bis vor wenigen Jahren war der Westen des Manhattaner Stadtteils Chelsea vor allem für seine Drogenjunkies, Nachtclubs und Fleischfabriken bekannt. Entsprechend hielten sich die New Yorker in der Gegend meist nur auf, um nächtens Partys zu feiern oder untertags Wurst einzukaufen. Man konnte dem Viertel vieles unterstellen, Noblesse war mit Sicherheit nicht darunter.
Doch dann kamen die Modedesigner. Als Diane von Fürstenberg 2007 eines ihrer größten Modehäuser im „Meatpacking District“ ansiedelte, wurde das ehemalige Fleischhauerviertel für Medien und Touristen erstmals so wirklich interessant. Mittlerweile gilt die Gegend als trendig. Auch andere Stardesigner wie Helmut Lang oder Calvin Klein haben längst Kaufhäuser eröffnet, noble Bars und Restaurants finden sich Tür an Tür.
Geht es nach der Modewelt, soll das westliche Chelsea ab sofort kaum mehr einem Besucher New Yorks verborgen bleiben. Die ehemaligen überirdischen Zuggleise der High Line wurden in eine Grünfläche direkt über den viel befahrenen Straßen Manhattans verwandelt. Die Medien überschlagen sich mit Lob, manche sprechen gar vom „interessantesten Park der Welt“. Zunächst auf einer Länge von 800 Metern und bald auf knapp drei Kilometern können Besucher dem Lärm der Stadt zumindest geistig entfliehen.
Entscheidend zur Verwirklichung des Projektes beigetragen hat – richtig geraten – Diane von Fürstenberg. Zehn Mio. Dollar ließ die 62-Jährige als finanzielle Unterstützung springen. „Ich liebe dieses Projekt“, sagte die Designerin im Rahmen der Eröffnung des Parks, der laut Bürgermeister Michael Bloomberg zumindest 5000 Touristen pro Tag anziehen soll. Die Liebe der Stardesignerin verstärkt haben dürfte freilich, dass ihr Modeshop nur wenige Meter neben dem Eingang zum High Line Park platziert ist.
Die Idee des High Line Parks findet unter den Reichen Manhattans jedenfalls enormen Anklang. Um bei der offiziellen Eröffnungsfeier der „Friends of the High Line“ in der Nacht auf Dienstag dabei zu sein, legten sie zwischen 15.000 und 100.000 Dollar auf den Tisch. Als Belohnung durften die Partygäste mit angereisten Stars wie den Schauspielerinnen Melissa George oder Molly Sims sowie Edward Norton oder Danny DeVito plaudern.
Doch eigentlich sollte es nicht um die Hollywood-Prominenz, sondern um den Park und die Modewelt gehen. Tatsächlich war es die Party der Modedesigner, sie machen den größten Teil der „Friends of the High Line“ aus. Die Schirmherrschaft übernahm der gebürtige New Yorker Calvin Klein persönlich, auch seine bekanntesten Designer Francisco Costa und Italo Zucchelli gaben sich die Ehre, ebenso Erin Fetherston und Nicole Miller. Dabei kannte die Begeisterung keine Grenzen, ein überirdischer Park inmitten von Chelsea sei ab sofort das ultimative Wahrzeichen New Yorks, versuchten die Modeleute zu vermitteln.
Kritiker hingegen sprechen von einem verzweifelten Versuch der Modewelt, „ihr“ Viertel im Westen Manhattans in Zeiten der Rezession wiederzubeleben. Ob das gelingen wird, ist ungewiss. Das Interesse der Öffentlichkeit wurde jedenfalls geweckt. Und Einwohner und Touristen New Yorks dürfen sich zumindest über eine neue Grünfläche freuen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2009)