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OMV: Quälende Fragen nach der Quotenfrau

PRESSEGESPR�CH MIT �BFA-GESCH�FTSF�HRERIN MARTHA OBERNDORFER
ÖBIB-Chefin Martha Oberndorfer(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Martha Oberndorfer will, dass der künftige OMV-Finanzvorstand eine Frau ist und sorgt damit für großen Unmut im Aufsichtsrat. Beim Finanzminister häufen sich Beschwerden über die Zurufe von der Seitenlinie.

Wien. Für die OMV hätte Weihnachten heuer eigentlich schon am 17. Dezember stattfinden sollen. An diesem Tag wollte der Aufsichtsrat des größten börsenotierten Unternehmens im Land nicht nur die neue Strategie abnicken, sondern auch endlich das lästige Gezerre um den neuen Finanzvorstand beenden.

Auch wenn der OMV-General, Rainer Seele, noch kürzlich öffentlich betonte, wie sehr er die Zusammenarbeit mit Langzeit-Finanzvorstand David Davies genieße, scheint die Chemie zwischen den beiden nicht zu stimmen. Denn der teilstaatliche Konzern suchte und fand in den vergangenen Wochen bereits Ersatz für seinen Finanzvorstand. In zwei Wochen, bei der nächsten Aufsichtsratssitzung, hätte der Wechsel fixiert werden – und die OMV endlich wieder in ruhigere Zeiten gleiten sollen. Doch daraus wird nun offenbar nichts, der Weihnachtsfrieden muss verschoben werden.

 

Keine kompetente Frau?

Der Grund dafür heißt Martha Oberndorfer. Wie der „Presse“ von mehreren Seiten bestätigt wird, setzte sich die Generalsekretärin des staatlichen OMV-Anteilseigners ÖBIB bei der vergangenen Aufsichtsratssitzung dafür ein, den Posten mit einer Frau zu besetzen. Ihre Frage, ob der Headhunter Korn Ferry denn wirklich in ganz Europa keine Kandidatinnen für die Shortlist finden konnte, wurde vom Aufsichtsrat wenig begeistert aufgenommen. Es gebe eben keine, hieß es schlicht.

Derzeit favorisiert werden soll der ehemalige Lenzing-Finanzvorstand Thomas Winkler, dessen Profil ideal zum russlandfreundlichen Kurs der neuen OMV-Spitze passt. Doch so einfach wollte sich die Chefin der Staatsholding nicht abspeisen lassen und informierte sich selbst bei einer Personalberatung, um zu sondieren, ob es nicht auch geeignete Kandidatinnen für eine Frauenliste gäbe.

Mehr hat es nicht gebraucht. Seitdem hagelt es Beschwerden seitens der Kapitalvertreter im OMV-Aufsichtsrat bei Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), dem Oberndorfer formal unterstellt ist. „Warum wird hier ein unabhängiger Aufsichtsrat daran gehindert, seinen Job zu erfüllen? Warum wird von der Seite in ein börsenotiertes Unternehmen hineinregiert? Das ist unprofessionell“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen auch zur „Presse“. Selbst der Betriebsrat ist wenig erfreut, den geplanten Beschluss noch einmal zu verschieben.

Tatsächlich könnte die OMV langsam aktienrechtlich in die Bredouille kommen, wenn der Konzern dem Kapitalmarkt nicht bald offiziell bestätigt, dass der Abgang von Davies bevorsteht. Solange sich die OMV nicht mit ihm geeinigt und seinen Nachfolger fixiert hat, will der Konzern nicht an die Öffentlichkeit gehen.

Bleibt die Frage, mit welcher Absicht Martha Oberndorfer so viel Staub im milliardenschweren Konzern aufwirbelt. Die Chefin der Staatsholding ist berühmt-berüchtigt für ihr kompromissloses Engagement für ihr Frauennetzwerk. Aber ist das alles, oder agierte sie auf Zuruf aus der Politik?

Formal hat sie kein Pouvoir, neue Kandidatinnen für den OMV-Vorstand zu fordern. Als ÖBIB-Generalsekretärin darf sie zwar als „Hüterin des Syndikatsvertrags“ mit der Ipic aus Abu Dhabi an den OMV-Aufsichtsratssitzungen teilnehmen. Mitentscheiden darf sie aber nicht. Als Vertreter der Republik fungiert hier der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Oswald. Oberndorfer untersteht den Weisungen von Finanzminister Hans Jörg Schelling.

 

Schelling gibt Rückendeckung

Kam die Order also von Schelling selbst? Oberndorfer will die Causa offiziell nicht kommentieren. Aus ihrem Umfeld ist jedoch zu erfahren, dass sie das Frauenthema ohne Absprache mit dem Finanzminister aufs Tapet gebracht habe. Der Minister mische sich prinzipiell nicht in Personalentscheidungen bei börsenotierten Unternehmen ein, heißt es im Finanzministerium auf Anfrage.

Über die Frage, ob Schelling den Alleingang goutiert hat, gehen die Meinungen stark auseinander. Oberndorfer sei zur Kopfwäsche ins Ministerium zitiert worden, wollen manche wissen. Dort beruhigt man hinter vorgehaltener Hand: Die Frage sei im Zuge eines bereits geplanten Gesprächs aufs Tapet gekommen. Frau Oberndorfer habe die volle Rückendeckung des Ministers. Es sei ihr gutes Recht, Männernetzwerke einmal zu hinterfragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2015)