Geschmacksfrage: Zattl Wirtshaus & Biergarten

Zattl
Zattl(c) Julia Stix
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Ein Biergarten in einem schönen Innenhof: Nein, nicht in München. In Wien, wo manche Lokale immer wieder kommen und gehen.

(c) Julia Stix

Dass wir in einer großen Zeitschleife sind
und essen, glauben Lokaltester häufig. Wok-Gemüse und Mousse au Chocolat bei Do & Co etwa haben längst gute Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Qualitäten. In Wien sind es vor allem Lokaleröffnungen, die uns das schöne Gefühl geben, alles schon erlebt zu haben. So geschehen zum Beispiel beim empfehlenswerten Café Engländer, das ein paar Jahre lang wegen eines grauenhaften italienischen Restaurants an derselben Stelle verschwunden war – und wiederkam. Oder im wunderschönen Wiener Schottenhof, wo das Café Haag erst einer Pizza-Hut-Filiale und dann einem grauslichen Griechen weichen musste, bevor es als Café im Schottenstift wiederauferstand. Und gar nicht schlecht!

Ähnliches passierte gerade einen Schani-
garten weiter: Dort konnte man in den vergangenen Jahrzehnten dem zähen Todeskampf von Wienerwald zusehen, wie die Qualität sank und die Gäste ausblieben. Nun ist ein wahres Großkampf-Wirtshaus namens Zattl eingezogen, das eigentlich wie ein reines Bierlokal aussieht (an der Stelle war einst eines). Das heißt: drinnen aufgrund der üblichen Backstein-Studenteneinrichtung nicht ganz so schön, draußen dank hübschen Innenhofwäldchens traumhaft.

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Das Bier ist gut. Pilsner Urquell, nicht zu Ottakringer-süß, sondern angenehm herb, kommt ohne Kohlensäure daher. Danke. Dahinter steckt eine kleine technische Meisterleistung. Und weil ich schon dabei bin: Die Espresso-Bar im vorderen Bereich zur Freyung hin ist auch optisch gelungen, und die Marke Splendid schmeckt halbwegs passabel, obwohl nicht original italienisch. Doch jetzt wird Herr Zattl gleich ein bisschen grimmiger schauen, als er es ohnehin schon tut: Klar, dass sich der Service erst an das neue Kiesterrain gewöhnen muss, so wie die Küche.

Aber manche Gerichte lassen Schlimmes befürchten: Der Tafelspitz war eine Beleidigung für Wien, so hart-fasrig wie eine Spanplatte. Die Schupfnudeln wurden offenbar in die Karte genommen, damit die Gäste noch mehr trinken, so trocken, wie die Dinger waren. Das Kalbsrahmgulasch war hingegen harmlos, fast gut. Aber vielleicht sollte man sich einfach nur flüssig ernähren! Und sich erinnern, dass die Backhendeln auch nicht so gut waren, wie wir sie schon bald verklären werden.

Zattl Wirtshaus & Biergarten
Schottengasse 2, 1010 Wien, Tel.: 01/533 72 62-11, täglich 10 bis 4 Uhr

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