Bei Mode wissen wir ziemlich genau, welche Teile aus dem Kasten man kombinieren kann und welche nicht. Bei Schmuck schaut die Sache schon anders aus: Im größten Mischtiegel der Welt, in New York, haben wir uns angeschaut, wie sich Mix & Match vertragen.
Ausladende Ohrgehänge aus grellgelbem Kunststoff, dazu auf jedem Finger ein falscher Goldring und um den Hals auch noch diverse Billigkettchen samt Herzchen-, Kreuzchen oder anderen Charms: So sicher nicht. Zwar ist „Mix and Match“ derzeit ein großer internationaler Schmucktrend und für Individualisten immer ein Thema. Aber wie die Frau
Brauchichauch aus dem Kinderbuch, die sich alles umhängt, was sie kriegen kann, muss man ja auch nicht daherkommen. Damit es eben nicht so weit kommt, man dem Trend, der viele Freiheiten lässt, aber dennoch folgen kann, bedarf es also einiger Stilsicherheit. Wie viel ist zu viel? Welche Materialkombination ist in Sachen Schmuck einfach komplett unmöglich, oder wie viele Körperteile darf man höchstens schmücken, damit es gewollt aussieht und man nicht tragikomisch an einen übermotiviert behängten Christbaum erinnert?
Im Kreativteam von Tiffany in New York ist man der Meinung, dass es heute keine Regeln mehr gibt, an denen man sich schmucktechnisch entlanghanteln kann, außer die des eigenen Stilgefühls (das freilich auch durch Misserfolge wächst: Wer einmal mit seiner „Schmuckmischtechnik“ nicht verstanden worden ist, macht es beim nächsten Mal wahrscheinlich anders). So ist das Mischen verschiedener Edelmetallfarben wie Gold und Silber heute ohne Weiteres möglich. Ja, es erzeugt sogar aufregende Kontraste, die oft spannender sind als ein Ton-in-Ton-Styling. Der legendäre Tiffany-Designer Jean Schlumberger etwa schwor auf die Mischung zahlreicher Steine und Metalle. Und auch Elsa Peretti hatte immer schon von einer Mischung aus Diamanten und dem als nicht wahnsinnig edel geltenden Silber geträumt, was sie mit der Kollektion „Diamonds by the Yard“ nun realisierte.
Keine Regeln, nur Stilgefühl. Man kann sich also ruhig aus verschiedenen Schmuckkollektionen quer durch die Bank bedienen. Die Regel, man dürfe nur Schmuck aus ein und derselben Kollektion tragen, gibt es nicht. Demnach kann man auch alte, wertvolle Stücke aus Omas Schatulle mit aktuellem Modeschmuck mischen. Was zählt, ist die Kleidung, die man dazu kombiniert, und ob die Mischung zur Persönlichkeit passt. Klingt einfach, ist es aber nicht.