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Wie lässt sich messen, wie viel Schnee vom Himmel fällt?

Schneeflocken fliegen oft an Messgeräten vorbei. Eine Kombination verschiedener Methoden soll künftig genauer zeigen, wie viel es schneit.

Eigentlich weiß man gar nicht, wie viel es schneit. Oder zumindest nicht genau. „Wir gehen davon aus, dass bei automatischen Wetterstationen über 1500 Metern Seehöhe der tatsächliche Winterniederschlag um 30 bis 50 Prozent unterschätzt wird“, sagt Kay Helfricht vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das lässt sich aus hydrologischen Modellierungen des Abflusses im Frühling schließen.

Warum sind Schneeflocken so schwer mit Messgeräten fassbar? Weil sie nicht nur leise rieseln, sondern auch noch leicht sind: Der Wind trägt sie mitunter an den Messzylindern vorbei. „Manchmal bilden sich aber auch Schneehauben, die die Geräte verstopfen“, so Helfricht. An beheizten Geräten wiederum kann der Schnee sublimieren, das heißt, der Niederschlag geht von der festen direkt in die gasförmige Phase über und ist dann gar nicht mehr messbar.

 

Viel Schnee, wenig Messstationen

Überhaupt gibt es da, wo der meiste Schnee fällt, nämlich im schwer zugänglichen Gebirge, die wenigsten Messstationen. Bis zu 50 Prozent des Jahresniederschlags dürften dort Schnee sein, schätzt der Experte. Abgesehen von einzelnen Bergstationen stehen viele Messeinrichtungen in den Talböden und zeichnen dort im Minutentakt die Niederschläge auf.

Auch speziell geschulte Wetterbeobachter melden täglich, wie viel Neuschnee gefallen ist: Sie kontrollieren den Schneefall zu klar festgelegten Zeiten auf einer genormten Fläche, dem sogenannten Schneebrett.

Schnee lässt sich aber auch aus der Luft beobachten: Auf Satellitenbildern sind die großen hellen Flächen gut erkennbar. Allerdings lässt sich so nur feststellen, wie weit sich der Schnee ausgebreitet hat. Rückschlüsse auf das Schneevolumen, also die in der Schneedecke gespeicherte Wassermenge, sind nur schwer möglich.

Eine exakte Einschätzung des Niederschlags ist nicht nur für Wettermodelle wichtig. Von besseren Messungen und Vorhersagen könnten auch Straßenräumung, Lawinenwarnung oder Hochwasserwarnsysteme profitieren. Und auch Pistenbetreiber und Wasserkraft brauchen genaue Angaben zum Niederschlag.

Helfricht will daher nun in seiner Forschungsarbeit in Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) verschiedene Messmethoden kombinieren und so genauere Ergebnisse bekommen. Einerseits nutzt der Meteorologe Lasersensoren, um die Höhe der Schneedecke zu bestimmen. Dabei schießt ein Laser auf die Schneedecke und misst, wie sie durch Neuschnee wächst. Andererseits berechnet er die Schneedichte und berücksichtigt dabei Einflüsse wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Wind.

 

Neuschnee in Wasser umrechnen

Bisher besagte eine Faustregel, dass zehn Zentimeter Neuschnee durchschnittlich einem Zentimeter Niederschlag entsprechen. Das will Helfricht in rund drei Jahren, wenn seine Untersuchungen abgeschlossen sind, genauer sagen können.

Denn wenn die Schneedichte bekannt ist, lässt sich die gemessene Höhe des Neuschnees in Wasser umrechnen und mit der bisherigen Niederschlagsmessung vergleichen. Somit könnten die Forscher Korrekturberechnungen zu den bisherigen Niederschlagsmessungen durchführen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2015)