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Zielpunkt: "Passiert etwas, ist man das Kapitalistenschwein"

INTERVIEW: GEORG PFEIFFER ( PFEIFFER HANDELSGMBH )
APA/HANS KLAUS TECHT
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Zielpunkt-Eigentümer Georg Pfeiffer kritisiert nach der Pleite der Supermarktkette in einem Interview die unternehmerfeindliche Stimmung in Österreich.

Georg Pfeiffer, Chef der Konzernmutter der insolventen Supermarktkette Zielpunkt, musste in den vergangenen Tagen viel Kritik einstecken. Die Betriebsratschefin der Supermarktkette nannte ihn den schlechtesten Eigentümer, den Zielpunkt jemals hatte. Und Sozialminister Rudolph Hundstorfer bezeichnete die Pleite eine "Riesensauerei". Nun verteidigt der Unternehmer Pfeiffer sich und seine Handelsgruppe in einem "Profil"-Interview. Er kritisierte die "unternehmerfeindliche Stimmung" im Land und das mediale Kreuzfeuer, dem er ausgesetzt sei, das bis zur Rufschädigung gehe. "Der Unternehmer ist geduldet, solange er Arbeitsplätze schafft, er sollte aber tunlichst darauf achten, kein Geld zu verdienen, weil das moralisch verwerflich ist. Er hat gefälligst zu funktionieren und keine Fehler zu machen. Und wenn einmal etwas passiert, dann ist er das große Kapitalistenschwein", so Pfeiffer.

Pfeiffer räumte aber auch Fehler bei Zielpunkt ein. "Im Rückblick war es ein unternehmerischer Fehler, überhaupt bei Zielpunkt einzusteigen. Es hätte uns klar sein müssen, dass wir dieses Projekt mit unseren Möglichkeiten als regionale Handelsgruppe nicht stemmen können", so Pfeiffer im aktuellen "Profil".

"Wären komplett erledigt gewesen"

Hätte man Zielpunkt gehalten, hätte das innerhalb der kommenden zwei Jahre die gesamte Pfeiffer-Gruppe mitgerissen, meinte der Trauner Unternehmer. "Wir wären komplett erledigt gewesen." Es gebe hier jedenfalls "keinen Dagobert Duck, der auf einem riesigen Geldspeicher sitzt". Zielpunkt habe die Pfeiffer-Gruppe über 50 Millionen Euro gekostet. "Wir sind auch der größte Gläubiger im Konkurs. Die Forderungen müssen wir abschreiben."

Die Kunden hätten die Bemühungen, Zielpunkt zu sanieren, nicht honoriert. "Letztlich sind es ja die Kunden, die mit ihrer Entscheidung über wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg bestimmen." Diese hätten sich aber offenbar für den Mitbewerb entschieden.

30 Standorte könnten keine Mieter mehr finden

Zum viel diskutierten Immobiliendeal meinte Pfeiffer, dass dieser ein Verlustgeschäft sei. "Circa 30 Standorte sind so schlecht, dass wir da möglicherweise gar keine Mieter mehr finden. Durch die Insolvenz ist das gesamte Paket weniger wert." Pfeiffer übernahm 68 Zielpunkt-Filialen vom früheren Eigentümer Tengelmann. Der Deal wurde praktisch zeitgleich mit der Insolvenz abgeschlossen und nährte den Vorwurf, Pfeiffer investiere lieber in Immobilien, statt in den Fortbestand von Zielpunkt.

(APA/Red.)