Hofburg-Wahl: Schwarz gegen Rot mit blauem Joker

Pröll, Fischer, Mitteilungsheft
Pröll, Fischer, Mitteilungsheft(c) APA (Dragan Tatic)
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Erwin Pröll könnte gegen Heinz Fischer in den Ring steigen. Aufwind erhält er von "Krone"-Herausgeber Dichand. Die FPÖ könnte bei der Wahl zum Joker werden.

Beide Prölls an die Spitze“: Mit dieser Ansage im Freitags-Magazin der „Krone“ hat Herausgeber Hans Dichand die Parteispitzen aus ihrem Dämmerzustand nach geschlagener EU-Wahl geweckt. Wer tritt eigentlich im kommenden April gegen wen an?

Fix ist, dass es der Sozialdemokrat Heinz Fischer, der heuer seinen 71. Geburtstag feiert, noch einmal wissen will. Verkünden möchte er das aber erst im Herbst, um nicht den Wahlkampf vorzeitig anzufachen. Man sagt ihm zwar ein gelegentlich gespanntes, aber insgesamt nicht wirklich gestörtes Verhältnis zu Dichand nach. Den EU-„Krone“-Brief von Werner Faymann und Alfred Gusenbauer hat der Mann in der Hofburg seinerzeit aber – für seine Verhältnisse sogar relativ deutlich – kritisiert.

In der Beliebtheitsskala der Politik gab es für Fischer im Frühjahr zwar ein deutliches Minus, trotzdem führt er die Liste klar an. Ein Wiederantreten ist trotzdem keine „gmahte Wiesen“: besonders dann, wenn der sieggewohnte schwarze NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll gegen ihn in den Ring steigt. Er erwägt dies offenbar ernsthaft. Dazu bedarf es aber einer ausgeklügelten schwarzen Strategie, und zwar mit Hilfe der Blauen, die bei dieser Wahl zum Joker werden könnten.

Blaue treten an

Die FPÖ wird ganz sicher mit einem eigenen Kandidaten antreten. Mit ihrem Potenzial von rund 20 Prozent könnte sie verhindern, dass ein Kandidat über 50 Prozent kommt, wonach es eine Stichwahl gibt. „Krone“ und FPÖ könnten dann eine Wahlempfehlung für Erwin Pröll abgeben – allerdings nur, wenn sich die ÖVP inzwischen „wohlverhält“. Im Fall der „Krone“ ist das ein Ernst-Strasser-adaptierter EU-Kurs. Das Zugeständnis an die Blauen: Im Krach um den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ) halten sich die Schwarzen auffällig zurück.

Gut passen würde daher ein schwarz-affiner blauer Präsidentschaftskandidat, etwa Ex-Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, der 2004 von Jörg Haider schon einmal ins Spiel gebracht worden war. Kleiner Schönheitsfehler: Der niederösterreichische Landeshauptmann galt bisher nicht als Freund der Blauen, ganz im Gegenteil: Gegen Schwarz-Blau zog er stets erbittert zu Felde. Da besteht also noch ein gewisser Adaptierungsbedarf. Außerdem wären nicht alle Schwarzen mit Erwin Pröll in der Hofburg glücklich. Denn das könnte sozusagen „ein Pröll zu viel“ an der Spitze des Staates sein und den Neffen Josef bei der nächsten Nationalratswahl Stimmen kosten. Aber zumindest Hans Dichand scheint das nicht zu stören. Und das ist ja nicht nichts.

Dafür hat Kanzler Werner Faymann in der SPÖ Feuer am Dach: Zuerst der EU-Kniefall vor Dichand, dann ein Sperrfeuer via „Krone“ auf den innerparteilichen Gegner, Landeshauptmann Franz Voves, und jetzt favorisiert der „Wahlonkel“ auch noch die Prölls, weil die SPÖ das Konkurrenzblatt „Österreich“ zu sehr mit Inseraten verwöhnte. Dazu wird sich Faymann noch einiges anhören müssen.

Hat der Schwenk Dichands auch mit einem möglichen Einstieg von Raiffeisen zu tun, der Dichand bei der Übernahme der WAZ-Anteile unterstützen könnte? Möglich, aber das Ganze ist noch keineswegs fix, Dichand-Schwiegertochter, „Heute“-Chefin Eva Dichand soll dagegen sein. Bei Raiffeisen unterstützt man im übrigen eher Josef als Erwin Pröll.

AUF EINEN BLICK

Im April 2010 wird der Bundespräsident gewählt. Die Amtsperiode beträgt sechs Jahre. Der jetzige Präsident Heinz Fischer will heuer im Herbst seine neuerliche Kandidatur ankündigen. Für die ÖVP könnte Landeshauptmann Erwin Pröll in den Ring steigen. Aufwind erhält er von „Krone“-Herausgeber Dichand, der sich neuerdings „beide Prölls“ an der Spitze des Staates vorstellen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2009)

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