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Börse: „Es wird noch heftigeren Einbruch geben“

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Fondsmanager Martin Mack ist pessimistisch. Die Finanzkrise hatte er bereits im Herbst 2007 erkannt. Für 2009 seien die Institute ausreichend kapitalisiert, um Verluste abzudecken.

Wien. Martin Mack bewies im Herbst 2007 ein gutes Gespür. Der Manager des deutschen Aktienfonds M&W Capital schichtete sein Depot bereits damals kräftig um: Aktien raus, kurzfristige Staatsanleihen rein. Das hat sich ausgezahlt. Der Wert des Fonds legte während der Krise stark zu.

Auch vom Börsenaufschwung der vergangenen Wochen ließ sich Mack nicht beeindrucken. Im Gegenteil. „Die Börsen werden demnächst wieder einbrechen. Der Absturz wird diesmal sogar noch heftiger ausfallen als der vergangene“, prognostiziert er. Dafür hat er mehrere Gründe parat:

•Die Anleger haben im März die positiven Ergebnisse der Banken-Stresstests in den USA euphorisch honoriert. „Wie sich danach herausgestellt hat, waren diese Prüfungen nicht mehr als eine Abmachung zwischen dem US-Finanzministerium und den Geldhäusern. Die Resultate sind daher völlig wertlos.“

•Neben den „kreativen“ Stresstests hat man den Banken mit „dehnbaren Bewertungsmöglichkeiten“ die Chance gegeben, den Wert ihrer Assets zu verschleiern. Das wahre Ausmaß der wertlosen Papiere, die sie in Büchern haben, ist nicht bekannt.

 

EZB: Neuerliche Bankenkrise droht

•Auch die Europäische Zentralbank (EZB) schließt laut eines Berichts der Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Rückkehr der Bankenkrise nicht aus, sollte sich die Rezession in die Länge ziehen.

Sollte eine schnelle „V-förmige“ Erholung der Konjunktur eintreten, seien die Banken stark genug, um den Abschwung zu überstehen. Sollte die Erholung jedoch „u-förmig“, also langsamer ausfallen, könnten viele Institute Probleme bekommen. Für 2009 seien die Institute zwar ausreichend kapitalisiert, um Verluste abzudecken. Massive Schwierigkeiten würde es aber für 2010 geben.

 

Absturz der Rohstoffaktien

Einige Zeichen haben bereits daraufhin gedeutet, dass an den Börsen die Höchststände erreicht wurden. Wie schnell sich Buchgewinne auflösen können, war an den Rohstoffwerten zu sehen. Die Aktie des australisch-britischen Bergbaukonzerns Rio Tinto rutschte innerhalb weniger Tage um 30 Prozent nach unten. Der russische Energiemulti Gazprom verlor 15 Prozent.

Mack empfiehlt daher für jene, die an den Kursanstiegen der vergangenen Wochen partizipierten, ihre Aktien „lieber heute als morgen“ zu verkaufen und die Gewinne mitzunehmen. Oder das Kursniveau durch Verkaufsstrategien auf den Terminmärkten abzusichern.

Als Alternative rät er wieder zu kurzfristigen Staatsanleihen mit erstklassiger Bonität und einer Laufzeit von zwei Jahren. Immobilien seien derzeit kein geeignetes Investment. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit sei die Wahrscheinlichkeit von Mietausfällen relativ hoch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2009)