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Arbeitsmarkt: Wie Unternehmen schikaniert werden

Symbolbild: Reisebüro.
Symbolbild: Reisebüro.(c) Bilderbox
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Die Gewerkschaft geht mit einer Anzeigenflut gegen Reisebüros vor, die am 8. Dezember geöffnet hatten. Den Geschäftsinhabern drohen nun Strafen von mehreren hundert Euro. Die Betroffenen wehren sich.

Wien. Viele Österreicher buchen ihren Urlaub im Internet. Bei Linienflügen liegt der Anteil der Onlinebuchungen zwischen 30 Prozent und 35 Prozent. In der Schweiz hat sich die Anzahl der Reisebüros seit 2002 fast halbiert. In Österreich konnten sich die klassischen Anbieter behaupten, weil sie auf persönliche Beratung und zusätzliches Service setzen. Damit werden in Österreich Jobs gesichert. Denn im Internet geben teilweise ausländische Konzerne den Ton an. Wie kurios die Rechtslage teilweise ist, zeigte sich am 8. Dezember. An diesem Feiertag dürfen zwar viele Geschäfte aufsperren. Doch Reisebüros müssen laut Arbeitsruhegesetz und Kollektivvertrag ihre Filialen geschlossen halten.

Die Gewerkschaft GPA-djp lässt nun mit einer Aktion scharf aufhorchen. Ihre Mitarbeiter kontrollierten in ganz Österreich, ob sich Reisebüros am 8. Dezember an das Gesetz hielten. In Oberösterreich, Niederösterreich und Wien wurden 29 geöffnete Filialen gefunden. „Ein ernüchterndes Ergebnis, das unsere Befürchtungen übertrifft: Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele Reisebüros auf den Weihnachtseinkaufszug aufspringen wollen“, sagt Andreas Stangl von der GPA-djp in Oberösterreich.

Jeder Verstoß wurde angezeigt. Den Betreibern drohen Strafen von mehreren hundert Euro. Wie viele Mitarbeiter der GPA-djp am 8. Dezember unterwegs waren und wie viel Geld sie dafür bekommen haben, will Stangl nicht sagen. Die Reisebüros wehren sich. Sie sprechen von Ausnahmen. Geöffnet hatten am Feiertag Filialen, die sich in Einkaufszentren befinden. Denn die Betreiber von Einkaufszentren schreiben in den Mietverträgen vor, wann die Geschäfte aufsperren müssen.

„Ich verstehe nicht, warum ein Lebensmittelgeschäft am 8. Dezember öffnen darf, aber ein Reisebüro nicht“, sagt Gregor Kadanka, Obmann der Fachgruppe Reisebüros in der Wirtschaftskammer Wien: „Wir sind in Österreich grundsätzlich überreguliert.“

Er, so Kadanka, halte die Ladenöffnungszeiten für ein Relikt der Vergangenheit. Seit Jahren bemüht sich die Wirtschaftskammer, dass in Wien bestimmte Stadtteile (wie die Innenstadt) zu Tourismuszonen erklärt werden, damit die Geschäfte auch am Sonntag öffnen dürfen. Laut Berechnungen der Wirtschaftskammer könnte der Handel damit einen Mehrumsatz von 140 Millionen Euro erwirtschaften. Gleichzeitig dürften 800 neue Jobs entstehen. Doch die Gewerkschaft legt sich dagegen quer.

 

Internet rettet das Weihnachtsgeschäft

Wie sehr das Internet dem klassischen Handel zusetzt, zeigt die am gestrigen Dienstag veröffentlichte Zwischenbilanz über das Weihnachtsgeschäft. „Das Christkind liegt gut im Rennen. Jetzt hoffen wir auf ein starkes Finale“, sagt Peter Buchmüller, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer.

Die Zuwächse stammen aber nur aus dem Internet (plus acht Prozent), im stationären Handel stagnieren die Umsätze. In Summe ergibt sich ein schwaches nominelles Plus von 0,5 Prozent. Im Vorjahr wurden im Weihnachtsgeschäft 1,617 Milliarden Euro umgesetzt. Davon entfielen 87 Millionen Euro auf österreichische Internethändler. Nicht erfasst sind in dieser Statistik die Bestellungen von österreichische Konsumenten bei ausländischen Onlinekonzernen wie Amazon und Zalando. Die KMU-Forschung schätzt, dass hier bereits 90 Millionen Euro ins Ausland fließen.

Auch der österreichische Handel klagt über zu viele Vorschriften und Bürokratie. Damit haben ausländische Onlineshops einen Wettbewerbsvorteil. Sie können Produkte zu günstigeren Preisen anbieten, wodurch in Österreich Jobs gefährdet sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2015)