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Wer gesünder lebt, soll (finanzielle) Vorteile haben

ARCHIVBILD: HAUPTVERBAND DER SOZIALVERSICHERUNGSTR�GER: RABMER-KOLLER
Die Krankenkassen haben von nun an eine Chefin: Ulrike Rabmer-Koller.(c) APA
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Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Ulrike Rabmer-Koller ist die erste Frau an der Spitze des Hauptverbandes. Sie will die Kassen sanieren und – nach dem Vorbild der SVA – Anreizsysteme zur Prävention schaffen.

Wien. Stichwörter wie Kassenfusionen oder – noch schlimmer – Kassenschließungen wollte Ulrike Rabmer-Koller am Dienstag weder hören noch in den Mund nehmen. Mit solchen Ansagen kann man sich im Imperium der österreichischen Sozialversicherungen ziemlich schnell ziemlich viele Feinde machen – und das wollte die 49-jährige Unternehmerin aus Altenberg bei Linz vermeiden. Immerhin war gestern ihr erster Arbeitstag. Am Vormittag war sie einstimmig zur Vorsitzenden des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger gewählt worden.

Und deshalb sagte Rabmer-Koller fürs Erste nur, dass sie Kosten senken wolle, damit die Kassen wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Die Details dazu sollten gemeinsam, mit allen Beteiligten, erarbeitet werden. Auf staatliche Zuschüsse werde man allerdings verzichten, denn das widerspreche ihrem Selbstverständnis als Unternehmerin und Mitglied im ÖVP-Wirtschaftsbund: „Ich will mit den vorhandenen Mitteln auskommen.“

Neben der Sanierung möchte sich Rabmer-Koller vor allem der Prävention widmen. Immer wieder sprach sie am Dienstag, in einem Gespräch mit Journalisten, über Anreize – insbesondere über jene, die es für SVA-Versicherte gibt. Die Selbstständigenversicherung vergibt Boni, wenn Gesundheitsziele erreicht werden. Bis hin zu einer Halbierung der Selbstbehalte.

 

„Eigenverantwortung stärken“

Dieses Modell legt die neue Hauptverbandschefin allen Kassen ans Herz, wenn auch nicht per Forderung: „Ich sage nur, ich würde mir das wünschen.“ Das heiße nicht, dass nun alle Selbstbehalte einführen sollten. Aber man könne mit Gutscheinen arbeiten. Die SVA vergibt nämlich auch den „Gesundheitshunderter“, den man im Wellnessbereich einlösen kann. So etwas, meint Rabmer-Koller, stärke die Eigenverantwortung und führe dazu, dass die Österreicher länger gesund bleiben. Denn im Schnitt sind sie 21 Jahre ihres Lebens krank.

Die Gesundheitsreform, die ihr Vorvorgänger, Hans Jörg Schelling, heute Finanzminister, und ihr Vorgänger, Peter McDonald, mittlerweile ÖVP-Generalsekretär, begonnen haben, will Rabmer-Koller fortführen. Dazu gehören: die Primärversorgungszentren, in denen bis Ende 2016 zumindest ein Prozent der Bevölkerung behandelt werden soll, die Reform der Kuren, die Elektronische Gesundheitsakte (Elga), die seit der Vorwoche in Betrieb ist, und die medizinische Erstauskunft per Telefon und Internet, Teweb genannt, die nächstes Jahr starten soll.

Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer wird Rabmer-Koller bleiben. Präsident Christoph Leitl hat sie im Juni nach Wien geholt, davor ist sie zwölf Jahre lang Vizepräsidentin in Oberösterreich gewesen. Kammerintern gilt Rabmer-Koller als mögliche Nachfolgerin Leitls, der in den nächsten Jahren übergeben will. Sie wäre dann die erste Kammerchefin. Zunächst aber ist sie die erste Frau an der Spitze der Sozialversicherungen. (pri)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2015)