Warum man auch Fonds vor dem Kauf genau analysieren sollte und wieso Palm und Intercell gute Investments sein könnten.
Österreicher sind nicht nur Fondsmuffel (nur 17 Prozent haben Fonds im Portefeuille), sie wissen auch herzlich wenig über diese Form der Geldanlage: Bei einer in der Vorwoche veröffentlichten Umfrage (Wissenstest Investmentfonds von AXA Investment Managers) haben immerhin 29 Prozent der Befragten auf das Statement „Aktienfonds sind Investmentfonds, die Kundengelder überwiegend in Aktien anlegen“ mit „falsch“ oder „weiß nicht“ bewertet. Gar 49 Prozent der Befragten ist diese Antwort auf das Statement „Wenn der ATX steigt, dann steigt in der Regel auch der Wert von Fonds, die in österreichischen Bluechips investieren“ eingefallen. Deutlich mehr als die Hälfte wusste nicht, dass man Fondsanteile in der Regel ohne Einhaltung von Wartefristen verkaufen kann. Dafür stuften 52 Prozent ihr Finanzwissen als „gut“ oder „sehr gut“ ein.
Ein teuflischer Mix. Denn gerade in einer Zeit der Bodenbildung an den Märkten wäre der Einstieg in Aktienfonds für jene lukrativ, die für ihr Geld etwas mehr Ertrag erwarten, denen aber das Hantieren mit Einzelaktien doch zu riskant ist. Ohne ein Minimum an Wissen und vor allem ohne die etwas intensivere Befassung mit der Materie kann so etwas aber selbst in einer Phase wie jetzt ordentlich schiefgehen.
Das zeigt eine ebenfalls in der Vorwoche von e-fundresearch veröffentlichte Langzeitstudie, die die Performance großer Europaaktienfonds über zehn Jahre verglich. Fazit: Die meisten gemanagten Fonds schaffen es nicht, ihre Benchmark (diesfalls den MSCI Europe Aktienindex) zu schlagen. Im Schnitt lag ihre Performance um 1,11 Prozent unter dieser Vergleichsmarke. Allerdings war die Streuung sehr groß: Im Jahr mit der größten Streuung wies der beste Fonds eine Performance von 113 Prozent auf, der schlechteste eine von gerade einmal drei Prozent. Und im Katastrophenjahr 2008, als alles nach unten ging, verlor der beste Fonds knapp 27 Prozent, der schlechteste aber fast 65 Prozent.
Mit anderen Worten: Beim Fondskauf ist Research mindestens ebenso wichtig wie bei der Auswahl von Einzelaktien. Sich die Zusammensetzung des Fonds und die Branchen bzw. Regionen, in die er investiert, genauer anzusehen, bringt jedenfalls deutlich mehr, als sich am Bankschalter das aktuelle Produkt des eigenen Hauses andrehen zu lassen. Ohne „Arbeit“ geht bei der Geldanlage leider nichts.
Außer man greift zu relativ einfachen Produkten, deren Performance bis zum Laufzeitende klar absehbar ist. Da sind in der derzeitigen Zinssituation Wohnbauanleihen nicht unlukrativ. Die s-Wohnbaubank beispielsweise hat jetzt zwei Wohnbauanleihen mit fixen Coupons (3,9 Prozent bzw. vier Prozent p. a.) aufgelegt, die vergleichbare Renditen von 5,1 bzw. 5,2 Prozent (vor Kest) bieten. „Vergleichbar“ heißt, dass eine „normale“ Anleihe oder ein Sparbuch so hoch verzinst sein müsste, um gleich viel zu bringen. Denn Wohnbauanleihen sind bis zu vier Prozent (bei natürlichen Personen) von der Kest befreit, ein Viertel der Ausgaben für den Ersterwerb ist zudem im Rahmen der Sonderausgaben steuerlich absetzbar.
Einen Haken hat die Sache freilich auch: Die Laufzeiten sind mit elf bzw. 13 Jahren relativ lange. Und wenn es, wie einige Experten glauben, zu einem Inflationsszenario nach dem Wiederanspringen der Konjunktur kommt, dann könnte man mit einem fixen Coupon von vier Prozent alt ausschauen.
Am Aktienmarkt sind die großen Sprünge vorerst vorbei, vor allem im Techbereich tut sich aber weiterhin einiges (wie die „Presse am Sonntag“-Empfehlung Stec auch in der Vorwoche eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat). In den USA könnte man sich da den Smartphonehersteller Palm anschauen, der mit seinen Produkten gerade die Platzhirsche Apple und RIM (Blackberry) nervös macht. Die Aktie ist zuletzt zwar sehr stark gestiegen. Analysten meinen aber, dass Palm jetzt ein klassisches Übernahmeziel abgibt – was noch keinem Kurs geschadet hat. Ein strikter Stoppkurs sollte allerdings von Anfang an gesetzt werden.
In Österreich ist Intercell zum Liebling der Analysten mutiert. In den vergangenen Tagen hat es Buy-Empfehlungen gehagelt. Mit Kurszielen um die 30 Euro ist die Aktie zwar voraussichtlich keine Rakete, hat aber doch schönes Potenzial nach oben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2009)