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Die Testerinnen: Door 8

1000 Grad sind nicht heiß genug.

Es ist einer jener Lokaltests, die sich vermeintlich von selbst schreiben. Zwei junge Frauen, die die Gastronomie bisher nur von der Vorderseite der Theke gekannt haben, eröffnen ein Steakhouse in Wien. Damit wäre eigentlich schon alles gesagt. Das wäre elegant gelöst, und ich müsste kein schlechtes Gewissen haben. Nein, nicht, weil Weihnachten ist. Aber es gibt ohnehin zu wenige mutige Gründungsprojekte in diesem Land, schon gar von Frauen. Und es ist ihnen ja schließlich auch gelungen, viel Geld zu organisieren für ein Stiege-2-Lokal inklusive 1000-Grad-Griller. Trotz des heißen Teils in der offenen Küche und des grau-kupfernen Interieur-Designs fehlt es an Wärme. Und an vernünftigen Steakmessern. Das schwarze Chichi-Besteck, die grauen Teller und die Sponsorgläser einer Wassermarke nehmen dem Essen Kraft. Die Karte war beim Besuch noch im Soft-Opening-Modus. Aber dreierlei Tatar von Rind, Thunfisch und Avocado oder Französische Zwiebelsuppe klingen zu langweilig zum Bestellen. Bei den Hauptspeisen stehen Rib Eye aus Australien, Flat Iron aus Uruguay und Filets aus Neuseeland oder Uruguay zur Wahl, wobei der Kellner meinte, das Rind aus Uruguay (27,90 ) sei besser, obwohl das aus Neuseeland (32,90 ) teurer ist. Könnte auch am längeren Anreiseweg liegen.

(c) Stanislav Jenis

Vor allem muss man leider sagen: Es gibt bessere Steaks. Sogar in Wien. Vor allem in Wien! Hier haben in letzter Zeit so viele Steak lokale aufgemacht. Wer sich genau dieses Metier aussucht, muss wirklich noch eines draufsetzen. Theoretisch hätten die beiden das ja gewollt mit der Kombination aus Niedrigtemperaturgaren für zartes Fleisch und anschließendem Extremhitzegrill für die nötigen Aromen. Nur praktisch schmeckt man das leider nicht. Weder die Qualität des Fleisches macht Gäste unendlich glücklich (Door 8?) noch die Beilagen. Das Parmesanrisotto hätte jeden Italiener verjagt. Die Stift-Fries (ja, die waren einmal modern) schmecken nicht mehr nach Erdapfel, die dunkelbraunen schon gar nicht. Aus dem Grund werden sie vermutlich mit Trüffelöl serviert und mit Sour Cream, die sehr okay ist. Die mit Salsa gefüllte Avocado ist warm (muss man mögen) und belanglos. Was sich jetzt wirklich von selbst schreibt: Im Door 8 muss die Betriebstemperatur ordentlich steigen.

Info

Door 8, Neubaugasse 8, 1070 Wien, Tel. 01/5220392, Di Do & So, 17-24, Fr und Sa, 17-2 h
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