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Pläne für Nachkriegs-Syrien

Ein Blick in die Zukunft: Mehrheit der Österreicher spricht sich für massive Wiederaufbauhilfe durch die EU aus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die österreichische Bevölkerung mit aller Kraft und vollem Einsatz an dem Wiederaufbau unseres Landes, mit Unterstützung durch den unvergessenen amerikanischen Marshallplan, gearbeitet. Zwanzig Jahre später erlebte Österreich eine wirtschaftliche Blütezeit.

Jetzt gilt es, für das wirtschaftlich und sozial schwer geschädigte Syrien eine ähnliche Strategie zu entwerfen und ein konkretes Aufbauprogramm vorzubereiten. Tatsächlich werden die wirtschaftlichen Möglichkeiten in dieser Richtung bereits von zuständigen Experten näher geprüft. Der internationalen Staatengemeinschaft, insbesondere der EU, wird eine entscheidende helfende Rolle zukommen.

Auf die verschiedenen Aspekte dieser Überlegungen wurde seitens der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) bereits im Sommer 2015 hingewiesen. Heute gewinnt die Beschäftigung mit dem österreichischen Plan immer mehr an politischer, wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung, nicht zuletzt, weil eine positive Perspektive dazu beitragen könnte, dass syrische Flüchtlinge Hoffnung auf eine gesicherte Rückkehr schöpfen. Konkrete Vorschläge für die Zukunft können aber auch jene Menschen ermutigen, die sich noch in bedrohten Teilen des Landes befinden. Es ist durchaus möglich, dass auf dem Wege zu einer schrittweisen friedlichen Entwicklung Hilfsoperationen für befriedete Gebiete bald sinnvoll ins Auge gefasst werden können.

 

Repräsentative Umfrage

Wie die Österreicher diese Pläne beurteilen, hat eine repräsentative ÖGfE-Umfrage festgestellt: 58 Prozent der befragten Österreicher sind dafür, dass die 28 EU-Mitgliedstaaten ein Programm für den Wiederaufbau von Syrien nach dem Ende des Bürgerkriegs entwickeln, organisieren und finanzieren. 59 Prozent befürworten, dass sich Österreich besonders stark für das Zustandekommen eines solchen Wiederaufbauprogramms einsetzt.

Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) erwartet, dass ein Wiederaufbauprogramm für Syrien dazu führen wird, dass die meisten in die EU geflüchteten Syrerinnen und Syrer wieder zurückkehren, um beim Wiederaufbau ihres Landes mitzuhelfen. 48 Prozent der Befragten finden, dass es auch einen Konjunkturschub für Österreich bringen würde. Wie wir wissen, haben Wähler in Deutschland sehr ähnliche Einstellungen wie unsere Bürger. Dies würde auch einer österreichischen Initiative zusätzliches Gewicht geben.

Voraussetzung für die Durchführung eines Wiederaufbauprogramms sind freilich eine Beendigung der Feindseligkeiten des Bürgerkriegs und ein nationaler Schulterschluss. Ein Blick in die reiche Geschichte des Landes zeigt, welcher kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen dieses begabte Volk fähig ist. Europas geografische, geistige und wirtschaftliche Nähe wird auch positive Rückwirkungen auf unsere Staaten haben. Besonders gilt dies für Österreich und, um es noch konkreter zu sagen, für die österreichische Wirtschaft. So könnte, zum Beispiel, die ÖMV in den Küstengewässern Hafenanlagen errichten und Gasfelder erschließen.

Im Vordergrund stehen der Wille, die Entschlossenheit zum Frieden in diesem so hart getroffenen Land und das europäische Interesse an einer friedlichen Entwicklung.


Der Autor ist Botschafter im Ruhestand; er war u.a. lang Österreichs Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2015)