Die Fluggesellschaft SkyEurope greift zu drastischen Maßnahmen: Das Nominale wird auf ein Fünftel reduziert - konkret von 42,8 Mio. Euro auf 8,56 Mio. Euro.
Wien (red). Die an der Wiener Börse notierte Fluggesellschaft SkyEurope greift zu drastischen Mitteln, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. In der am Wochenende publizierten Einladung zur Hauptversammlung am 14. Juli in Wien wird ein Kapitalschnitt im Verhältnis 5:1 angekündigt. Konkret wird das Nominale von 42,8 Mio. Euro auf 8,56 Mio. Euro reduziert.
Der Hintergrund: Das ausgewiesene Grundkapital der Gesellschaft passt schon lange nicht mehr mit dem wirtschaftlichen Wert des Unternehmens zusammen, der sich im Börsenkurs widerspiegelt. Vom Ausgabekurs von einem Euro pro Aktie ist er auf 23 Cent gefallen. Damit wäre laut Aktiengesetz eine Kapitalerhöhung nicht erlaubt.
SkyEurope benötigt aber dringend frisches Kapital, um sich mit dem operativen Geschäft über Wasser halten zu können – das negative Eigenkapital betrug Ende März 97,6 Mio. Euro. Schon im Frühjahr 2008 wurde eine Kapitalerhöhung von bis zu 18 Mio. Euro beschlossen, aber bis heute nicht durchgeführt.
Sehr zum Ärger des Unternehmers Alon Shklarek, der über seine Focus Capital Investments knapp zehn Prozent an SkyEurope hält. Er warf dem Management und dem Hauptaktionär, dem US-Fonds York, mehrmals vor, die Kapitalerhöhung hinauszuzögern. Nun dürfte für sie der Weg geebnet sein.
Darüber hinaus ist die Airline fieberhaft auf der Suche nach zusätzlichen Kapitalgebern. Laut Chef Jason Bitter wird mit drei Investorengruppen verhandelt. Die Gespräche sollen bis Jahresende abgeschlossen sein.
Bilanz bis Ende Juni
Überraschender als der schon erwartete Kapitalschnitt war eine zweite Ankündigung in der Einladung zur Hauptversammlung: Der längst überfällige testierte Jahresabschluss für das Geschäftsjahr von Oktober 2007 bis September 2008 werde nun doch in Kürze vorliegen.
Ab Montag, dem 29. Juni, soll die Bilanz auf der Webseite der Fluglinie, www.skyeurope.com, abrufbar sein. Die Publikation des Jahresabschlusses musste mehrmals verschoben werden, weil die Wirtschaftsprüfer von KPMG ihren Bestätigungsvermerk verweigert hatten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2009)