Der Doppelsieg für Red Bull durch Sebastian Vettel und Mark Webber in Silverstone war nur eine kurze Unterbrechung der Diskussionen rund um eine Konkurrenzserie zur Formel 1.
Silverstone. Das Podium in Silverstone erinnerte ganz stark an den Grand Prix von China vor zwei Monaten. Der Deutsche Sebastian Vettel in der Mitte als Sieger, zu seiner Rechten als Zweitplatzierter sein australischer Teamkollege bei Red Bull-Renault Mark Webber und daneben ein Fahrer von Brawn GP. Statt dem Briten Jenson Button war es diesmal der Brasilianer Rubens Barrichello.
Und diesmal wurde zu Ehren des österreichischen Rennstalls auch die österreichische Bundeshymne gespielt. Die Formel-1-Regisseure haben aus dem Fauxpas im Reich der Mitte gelernt und statt „God Save the Queen“ diesmal den richtigen Soundtrack gewählt. „Land der Berge“ ertönte in der Formel 1 damit zum ersten Mal seit dem 27. Juli 1997. Damals gewann Gerhard Berger in Hockenheim seinen letzten Grand Prix.
Bulle mit Entenschnabel
Mit dem zweiten Doppelsieg, den Vettel bereits mit seiner Poleposition im Qualifying eingeleitet hatte, rückte Red Bull dem bislang so überlegenen Team Brawn GP wieder ein Stück näher. Ein entscheidender Faktor dabei war das neue Aerodynamikpaket (Kernstück ist eine breite, entenschnabelähnliche Schnauze), das im rund 30 Kilometer von der Rennstrecke entfernt gelegenen Red-Bull-Hauptquartier in Milton Keynes entwickelt worden war.
Für Brawn GP rettete Rubens Barrichello die Ehre. Teamkollege Jenson Button hingegen konnte seinen Fans den Traum vom Heimsieg nicht einmal annähernd erfüllen. Der Sieger von sechs der acht Rennen in diesem Jahr wurde nur Sechster.
Aber nicht nur auf der Rennstrecke misslang Brawn GP ein Sieg, auch sonst lief nicht alles rund. Denn die Virgin Group des britischen Milliardärs Richard Branson kündigte an, in der kommenden Saison doch nicht Hauptsponsor des Rennstalls zu sein. „Wir sind eingestiegen, als der Preis niedrig war, und die weltweite Berichterstattung war für uns großartig. Aber ich erwarte, dass der Preis astronomisch steigen wird, und wir müssen uns nach einem kleineren Team umsehen“, sagte er.
Auch der Streit der FOTA, der Vereinigung der Rennställe, mit dem Weltautomobilverband FIA, wurde weiter kommentiert. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh meinte, dass ein Kompromiss im Streit um die Budgetobergrenze und das Reglement bis Ende Juli gefunden werden muss. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssten die abspaltungswilligen Teams McLaren, Ferrari, Red Bull, Toro Rosso, Brawn GP, Renault, BMW-Sauber und Toyota mit den konkreten Vorbereitungsarbeiten für die Konkurrenzserie beginnen.
Mosley kuschelweich
FIA-Präsident Max Mosley, der am Freitag noch gemeint hatte, er schließe nicht aus, dass sich die Streitereien bis ins nächste Jahr zögen, stimmte am Sonntag versöhnlichere Töne an. Es klang beinahe nach Imagepolitur, nachdem die FOTA-Teamchefs zwischen den Zeilen eine Ablöse des umstrittenen wie diktatorisch agierenden Präsidenten gefordert hatten. Man sei „sehr nahe an einer Einigung“, sagte Mosley, und „normalerweise“ werde ein gemeinsamer Nenner „sehr schnell“ gefunden. Er sei jederzeit für Verhandlungen offen, Gespräche werde es geben, „sobald die Teams so weit“ seien. Und weiter: „Ich bin zu Kompromissen bereit.“
Großer Preis von Großbritannien, in Silverstone:
1.Sebastian Vettel (GER) Red Bull-Renault
2.Mark Webber (AUS) Red Bull-Renault 15,188 Sek.
3.Rubens Barrichello (BRA) Brawn GP 41,175
4.Felipe Massa (BRA) Ferrari 5. Nico Rosberg (GER) Williams-Toyota 6. Jenson Button (GBR) Brawn-Mercedes 7. Jarno Trulli (ITA) Toyota 8. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari.
WM-Stand (nach 8 von 17 Rennen): 1. Button 64 2. Barrichello 41 3. Vettel 39 4. Webber 35,5 5. Trulli 21,5 6. Massa 16.
Konstrukteurs-WM: 1. Brawn-Mercedes 105 2. Red Bull-Renault 74,5 3. Toyota 34,5 4. Ferrari 26 5. Williams-Toyota 15,5 6. McLaren-Mercedes 13.
Nächstes Rennen: 12. Juli, Nürburgring.
AUF EINEN BLICK
■Sebastian Vettel (* 3. Juli 1987 in Heppenheim) feierte beim vorläufig letzten Grand Prix in Silverstone seinen zweiten Saisonsieg. Wie schon in China vor zwei Monaten gewann der Red-Bull-Pilot vor seinem Teamkollegen Mark Webber. WM-Spitzenreiter Jenson Button (GBR/Brawn GP) wurde Sechster.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2009)