Vom Kinderspielplatz zum Spitzensport

Junge Buben brauchen Idole, im Fußball eifern sie etwa Barcelonas Superstar Lionel Messi nach.
Junge Buben brauchen Idole, im Fußball eifern sie etwa Barcelonas Superstar Lionel Messi nach.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Sport und Bewegung. Laufen, Tore schießen, Rad fahren, klettern – die Initiative, Kindern Sport ans Herz zu legen, beginnt in den eigenen vier Wänden. Vereine, Verbände und Schulen helfen, in manchem kann auch ein kleiner Lionel Messi stecken.

Wer Kinder hat, der sieht, mit welcher Freude sie spielen. Laufen, den Ball gegen die Wand werfen, ihn kicken und ihm nachlaufen. Fahrradfahren, Fußball, Schwimmen, Klettern – der Sportarten gibt es sonder Zahl. Die Begeisterung für Sport und Bewegung wird Kindern aber nicht a priori vererbt, die sollte man ihnen tunlichst auch vermitteln. In den eigenen vier Wänden, im Kindergarten, der Schule – im Alltag, in Vereinen; überall. Nicht jeder muss zwingend ein Spitze- oder Leistungssportler werden; die Option eines gesünderen Lebens allein ist doch schon Verlockung genug. Ein kleines Gedankenspiel – bevor man später die Bescherung hat . . .

1 Die richtige Sportart, das Umfeld, ein erster Wohlfühlfaktor

Wer sich wirklich nicht sicher ist, was dem eigenen Kind denn am besten gefällt, sollte sich in seinem Bezirk, in seiner Umgebung, ganz einfach schlau machen, welche Sportvereine ansässig sind. Fragen Sie im Kindergarten, der Schule nach – vielleicht gibt es bereits Kooperationen mit Vereinen. Probetrainings sind keine Fleißaufgabe, mehrere Versuche ebenso wenig. Es gibt sogar eigene Turngruppen, veranstaltet von anderen Eltern.

2 Durch Freunde motivieren, Klubs oder sogar ÖSV und ÖFB fragen

Von epochalem Vorteil ist es, wenn Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder bereits mit Leidenschaft und Ausdauer einen Sport betreiben. Zuschauen, anfeuern, mitmachen, das gemeinsame Ausprobieren ist immens hilfreich. Wenn nicht, haben die jeweiligen Sportorganisationen wie Askö, Union, Asvö oder die gut 1000 Vereine in Wien oder Großverbände wie ÖSV und ÖFB eine Idee.

3 „Bring den Sport in die Schule“ – ein Coup mit großer Reichweite

Mit dem Projekt „Bring den Sport in die Schule“ ist Österreichs Bildungsministerium nach jahrelanger Überlegung ein großer Coup gelungen. Ab März 2016 können/dürfen sich Sporttrainer in einem dreieinhalbmonatigen Lehrgang zum Bewegungscoach für Ganztagsschüler ausbilden lassen. Die Trainer könnten mit Start der Aktion im September 2016 auch an den Schulen angestellt werden. Bessere Vermittlung für Begeisterung am Sport und Spaß an der Bewegung gibt es nicht. Die tägliche Turnstunde ist damit nicht mehr nur ein Lippenbekenntnis.

4 Zuhören, mitfreuen, anfeuern – die Psyche schult und lenkt die Motorik

Wer kennt das nicht? Schreiende Kinder auf dem Hinterhof, dem Fußballplatz, beim Ringelspiel. Oft sind die Erzählungen daheim auch von Emotion getragen, diese Chance ist ein klassischer „Elfmeter“. Zuhören, Sohn/Tochter recht geben, sie in ihrem Tun bestärken. Tore verlangen Beifall, Anerkennung – Versprechen, bei einem Match zu erscheinen, sind aber unerlässlich einzuhalten. Wichtige Geschäftstermine fallen da in die Kategorie: unerhört grobes Foul.

5 Fitness und Erfolgserlebnisse – die Vorbildrolle der Eltern ist gewaltig

Wer selbst Sport betreibt, feiert Erfolgserlebnisse. Man schießt ein Tor, wirft einen Korb, läuft die Distanz fertig oder schneller als je zuvor. Man fühlt sich fit, und auch dem Kind gefällt es, weil Mama und Papa als Vorbild auftreten. Es gibt Studien, die belegen, dass die Chance, Kinder zum Sport zu bringen, um das Sechsfache ansteigt, sollte auch nur ein Elternteil Sport betreiben. Gesteigertes Selbstwertgefühl senkt parallel jede Anspannung und lässt auch Leistungsdruck (in der Schule) und Alltagssorgen (aus dem Beruf) verschwinden; quasi spielend.

6 Fluch der Leistungsgesellschaft: Nicht zwingen, nicht fordern

Kinder sind ehrgeizig, man will der Beste sein, sich profilieren, etwas probieren. Der Wettkampf ist nicht schlecht, aber nicht zwingend die Essenz von Bewegung und Sport. Spaß, Vergleich, das Fördern der Talente – aber bar allen Drucks oder Zwangs. Nicht jeder kann sofort ein Seil hinaufklettern oder über einen Baumstamm kraxeln geschweige denn ein Volleytor mit dem Außenrist schießen. Es muss Spaß machen. Eigentlich ist doch schon das Lachen auf dem Spielplatz der größte Triumph.

7 Wie bemerkt man, ob sein Kind Sportkarriere machen könnte?

Ein heikler Punkt, denn entscheidet sich eine Familie – in diesem Punkt sollte doch Konsens herrschen –, dass Sohn oder Tochter auf ein Sportgymnasium, eine Sportschule oder Sport-Uni und in einen Verein gehen sollen, verändern sich alle Abläufe. Drei- bis viermal die Woche Training, dazu Spiele ein- bis zweimal pro Woche – von Schulaufgaben und Fortbildung ganz zu schweigen. Auch ist dann Spaß allein womöglich zu wenig, es geht dann um Leistung. Es ist nicht mehr das Herumtollen daheim, das Spiel auf dem Freiplatz. Es gibt Regeln, Systeme – auch wäre es ratsam, Trainern dann Glauben zu schenken. Man kann nichts erzwingen, mit dem eigenen Kind soll man es schon gar nicht versuchen.

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