Deutschlands Altkanzler Helmut Schmidt, Publikumsliebling Helmuth Lohner und Schauspielerin Birgit Doll sind 2015 gestorben.
Sein Tod kam nicht überraschend. Die Berliner Politik- und Medienbranche wusste, dass es dem sozialdemokratischen Altkanzler Helmut Schmidt mit seinen 96 Jahren und nach einer Gefäßoperation zunehmend schlechter ging. Am 10. November verstarb der Methusalem der deutschen Politik, der auch nach seiner aktiven Zeit in der Politik regelmäßig und in schroffem Ton in Interviews – etwa der „Zeit“, deren Herausgeber er war –, das aktuelle Geschehen kommentierte. Die weltweite Rezession und die Ölkrise prägten seine Kanzlerjahre von 1974 bis 1982 außenpolitisch, im eigenen Land bestimmte der Terror der RAF seine Amtszeit. Seine Frau Loki Schmidt überlebte er um fünf Jahre. Zuletzt gab er auch sein Laster, das Rauchen, auf. Viele Nachrufe in deutschen Medien wurden dennoch mit verblassendem Rauch bebildert.
Helmuth Lohner. Ein Tragiker, ein Schalk, ein Ironiker: Lohner war ein international renommierter Film- und Theaterschauspieler – und der Retter des Theaters in der Josefstadt. Das eine ist mit dem anderen eng verbunden, denn während die Familie Pühringer die Bühnensanierung finanziell unterstützte, stand Lohner fast jeden Tag in großen Rollen auf der Bühne.
Günter Grass. Vor allem für seine „Blechtrommel“ erhielt der deutsche Schriftsteller 1999 den Nobelpreis für Literatur. Doch nach dem 1959 geschriebenen Roman folgten weitere starke Romane wie „Der Butt“ oder „Die Rättin“. In seinen späten Jahren sah er sich als Gewissen der Republik und sorgte mit seiner Zeit bei der Waffen-SS und einem antiisraelischen Gedicht für Debatten und Kritik.
Anita Ekberg. Sie galt als Italiens Brigitte Bardot, dabei kam sie aus Schweden. Berühmt wurde die hübsche Blonde unter anderem durch die Szene in Fellinis „La Dolce Vita“ (1960), in der sie im römischen Trevi-Brunnen badete. Sie spielte an der Seite von Frank Sinatra und Dean Martin und trat bis 1996 in zwei Dutzend Filmen auf.
Frederic Morton. Seine Bücher bringen die Welt von gestern zum Leben, sein Roman „Ewigkeitsgasse“ gehört zu den bedeutenden Werken der Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg – es ist die Geschichte einer jüdischen Familie ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Frederic Morton, der als Fritz Mandelbaum am 5. Oktober 1924 in Wien geboren wurde, emigrierte 1939 nach New York. Er kehrte aber immer wieder nach Österreich zurück, zuerst als US-Korrespondent für diverse Zeitungen, später als gefeierter Autor.
Gerd Bacher. Sein Freund Gustav Peichl hat den legendären ORF-Generalintendanten mit seinen Karikaturen zum „Tiger“ gemacht. Als solcher wurde er gefürchtet (auch von der Politik) und verehrt. Bacher war mit Unterbrechungen 20 Jahre lang als Chef der starke Mann im ORF. Dass dieser heute öffentlich-rechtlich genannt wird, geht auf sein Konto. Sein Credo: „Das Parteibuch hat bei uns seine Funktion als karriereförderndes Wertpapier verloren.“
Pierre Brice. Er war als Winnetou für mehrere Generationen von Kindern ein treuer Begleiter. Lang versuchte er, über den Schatten des Apachenhäuptlings zu springen und in anderen Rollen durchzustarten. Doch als er am 6. Juni starb, war in den Nachrufen vor allem davon die Rede, dass Winnetou von uns gegangen ist.
Birgit Doll. Sie scheute Emotionen nicht, weder auf der Bühne noch im Leben. Eine besondere Beziehung hatte sie zu „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Als Marianne war sie wunderbar, ihre Inszenierung des Stücks Jahrzehnte später in Baden überzeugte. Als Libussa war die Doll grandios.
Omar Sharif. Man kannte ihn als Sherif Ali in "Lawrence von Arabien" (1962) und Doktor Schiwago (1965), seine letzte größere Rolle hatte er in „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ (2013). Der ägyptische Schauspieler entstammte einer libanesisch-syrischen Familie und galt jahrzehntelang als Frauenschwarm Hollywoods.
Henning Mankell. Sein soziales Engagement, speziell in Afrika, wird ebenso in Erinnerung bleiben wie seine Bestseller. Der grüblerische Querkopf Kommissar Wallander war wohl ein Alter ego und stand an der Wiege des neueren Krimi-Booms. Doch Mankell schrieb noch andere spannende und welthältige Bücher wie „Die Rückkehr des Tanzlehrers“. „Treibsand“, sein letztes Buch, derzeit in den Buchhandlungen, ist seine persönliche Bilanz.
2015 verstarben auch: Mr.-Spock-Darsteller Leonard Nimoy. Regisseur Helmut Dietl. Blues-Sänger B. B. King. Jazz-Saxofonist Ornette Coleman. Regisseur Peter Kern. Autor Harry Rowohlt. Langjähriger Wiener-Festwochen-Chef Luc Bondy. Sänger James Last. Neurologe Oliver Sacks. Unternehmer und Billa-Gründer Karl Wlaschek. Die Journalisten Ernst Trost und Kurt Kuch. Maler Ernst Fuchs. Grünen-Politikerin Freda Meissner-Blau. imago(2), APA(5), EPA, Reuters
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2015)