Trocken und heiß: Das Jahr des Gartenschlauchs

(c) EPA (MARTIN GERTEN)
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Das Jahr war von dauerndem, stundenlangem Gartengießen geprägt, was niemals wieder vorkommen wird, wenn man sich von den durstigen unter den Gartenpflanzen verabschiedet.

Das nunmehr alt gewordene Jahr wird in die Erinnerung eingehen. Aus vielen Gründen. Nicht zuletzt wird es auch vor allem deswegen schauerlich gut im Gedächtnis bleiben, weil es ein langer, nicht enden wollender Sommer war. Das Jahr fand weder zu Beginn noch zum Schluss in den Winter hinein, höchstens in eine laue Übergangsphase. Dafür ergab es sich zwischendrin über zu viele Monate hinweg einer nie da gewesenen Hitze – und vor allem auch einer grauenhaften Trockenheit. Und jeder, der ein Stück Garten lieb hatte und unter dieser Sonne nicht verrecken sehen wollte, fand sich ab Mai bis in den Oktober hinein von morgens bis abends mit lebenserhaltenden Maßnahmen recht gut beschäftigt.

2015 war für uns Gärtner das Jahr des Gartenschlauchs, und ich selbst will ein solches Jahr nicht mehr in dieser Art und Weise begehen. Bewässern Sie einmal ein paar tausend dicht bepflanzte Quadratmeter Staudengarten über viele Monate hinweg. Viel vertrottelter geht es gar nicht. Und es wird auch nicht mehr vorkommen. Die Schläuche sind eingerollt. Die Sprinkler weggeräumt. Die Wasserrechnung steht zwar noch aus. Doch sie ist zu verkraften, im Gegensatz zum Anblick dahinsiechender Pflanzen, die trotz sorgfältigen Mulchens und täglichen Gusses vor sich hin röcheln und grade so überleben.


Ihr könnt hier nicht bleiben. Ich verabschiede mich denn in Dankbarkeit und Ergebenheit von all den durstigen unter meinen Gartenpflanzen, von den schönen Ligularien, den Rodgersien, von Engelwurz und Astilbe, vom Eisenhut, dem Mädesüß und der Kuckucks-Lichtnelke. Adieu Blutweiderich und Gauklerblume, Jakobsleiter und Ranunkel. Es war lang ein Vergnügen mit euch, doch hier kann euer Bleiben nicht sein, denn Hitze und Dürre werden uns auch künftig begleiten.

Diejenigen, die überlebten, wurden ausgegraben, verschenkt, in feuchtere Gegenden ausgesiedelt. Es ersetzt sie künftig ausschließlich trockenheitsresistentes Gesträuß. Das Areal wird in einen Präriegarten umgewandelt, und das ist auch nicht schlecht. Denn vieles hat sich in der Dürre doch erstaunlich gut bewährt, und das wird vermehrt. Allen voran dürfen die Strauchrosen gepriesen werden, die nie gegossen wurden und dennoch prächtiger gediehen denn je. Sie müssen sehr tief wurzeln, anders ist ihre Vitalität nicht zu erklären. Hervorragend hielten sich auch diverse schöne Ziergräser wie Lampenputzergräser, Federgräser, Chinaschilf, Reitgras und Schwingel, die mächtig aufgestockt und vermehrt wurden. Dazwischen fühlen sich Trockenheitskünstler wie die unverwüstliche und noch dazu dauerblühende Spornblume in Rosa und in Weiß wohl, wie auch Steppen-Wolfsmilch, Kokardenblume, Glockenblume, Witwenblume, Fackellilie, Phlomis, Lichtnelke und Agastachen mit ihren selbst im Winter noch blau, lila und rosa gefärbten Blüten.


Es bleibt bunt, aber genügsam. An Beeträndern wuchern Woll-Ziest und Gamander, diverse Thymiane, Lavendel, Storchschnäbel und Teppich-Hornkraut, Schleifenblume, Polster-Phlox und Seifenkraut. Nicht zu vergessen die hervorragende Familie Sedum in den zahllosen Spielarten, von den kleinen Mauerpfeffern und der – essbaren – Tripmadam bis zur hochgewachsenen prächtigen Fetthenne. Sie müssen überhaupt nie gegossen werden, ich habe mich mit Ablegern und neuen Exemplaren in Massen eingedeckt. Es bleibt also bunt, doch genügsam.

Was den Gemüsegarten anbelangt, so bleibt die Sache ebenfalls überschaubar. Eingefasste Beete oder Hochbeete trocknen nicht so schnell aus. Ein paar strategisch gepflanzte hohe Strauchrosen oder Gräser sorgen dort, wo es notwendig ist, für Schatten. Die Erfindung des begehbaren Kräutergartens bewährt sich seit Jahren bestens: Betontrittplatten wurden so verlegt, dass wie bei einem Schachbrett zwischen vier Platten stets eine Plattengröße Erdboden frei bleibt. Dort kommen die Kräuter hinein. Die Trittplatten machen die Angelegenheit begehbar und ersparen einem das Unkrautzupfen, auch bewahren sie in heißen Phasen eine Restfeuchte im Boden. Auf den Platten selbst können die nicht winterharten Kräuter in Töpfen aufgestellt werden. In diesem Sinn, egal, wie die Witterung sein wird, darf man sich auf die kommende Saison freuen und jetzt schon ein gesegnetes neues Jahr in die Gärtnerrunde wünschen.

Überstanden

Trockenheitskünstler. Trotz des heißen und trockenen Sommers hielten sich beispielsweise Ziergräser wie Lampenputzergräser, Federgräser, Chinaschilf, Reitgras und Schwingel hervorragend. Auch die Spornblume in Rosa und Weiß fühlte sich wohl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2015)

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