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Birgit Nilsson: Die machtvollste Heldin von allen

SWEDEN BIRGIT NILSSON FUNERAL
Birgit NilssonEPA

Vor zehn Jahren starb Birgit Nilsson. Ihre Heimat errichtet ihr ein Museum.

„Mit dem Wiener Stehplatz bin ich verlobt“, scherzte Birgit Nilsson gern, nachdem sie von Verehrern einen Ring geschenkt bekam. Im „Ring“ war sie die ungekrönte Königin der Oper: Ihre Brünnhilde war ein vokales Naturereignis, denn Richard Wagners orchestrale Wogen die nahezu sämtliche Konkurrentinnen erbarmungslos zu verschlingen drohten, trugen den machtvollen Sopran der 1918 geborenen schwedischen Bauerstochter liebevoll durch die höchst emotionalen Aufwallungen.

Wer die von der Nilsson gesungene Schwurszene im zweiten Akt der „Götterdämmerung“ gehört hat, weiß, dass er dergleichen nimmer vernehmen wird. Aber er weiß, dass Wagner doch recht hatte: Musikdrama exzessiven Zuschnitts ist möglich.

Die Nilsson setzte auch in Puccinis „Turandot“ oder Strauss' „Elektra“ Maßstäbe und markierte einen letzten Höhepunkt ihrer gigantischen Karriere mit ihrem Debüt als Färberin in der von Karl Böhm dirigierten „Frau ohne Schatten“, nachdem sie sich mit der großen Kollegin Leonie Rysanek darüber geeinigt hatte, dass sie doch nicht die Kaiserin singen würde, sodass die beiden Primadonnen an einem Abend gemeinsam auf der Szene erscheinen konnten – und eine jener Sternstunden garantierten, für die sich unter den Arkaden der Staatsoper stets lange Schlangen von Musikfreunden bildeten, die sich um Stehplatzkarten anstellten.

Am ersten Weihnachtsfeiertag 2005 ist die Nilsson gestorben. Im heimatlichen Bauernhof von Skåne hat man der Diva ein Museum eingerichtet, das von April bis September geöffnet ist. (sin)


[LRVQR]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2015)