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Irak: Ministerpräsident will IS 2016 aus dem Land verdrängen

(c) REUTERS (STRINGER)
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Irakische Truppen hissten nach wochenlanger Schlacht die Landesflagge auf dem Verwaltungssitz von Ramadi. Nun soll die Rückeroberung des Nordiraks beginnen.

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi will die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im kommenden Jahr aus dem Irak verdrängen. "Wenn 2015 das Jahr der Befreiung war, wird 2016 das Jahr des großen Sieges, des finalen Sieges, das Jahr, in dem die Anwesenheit des IS im Irak beendet wird", sagte Al-Abadi am Montag in einer Fernsehansprache.

Die irakischen Streitkräfte haben ihre mehrwöchige Offensive zur Rückeroberung der Großstadt Ramadi am Euphrat westlich von Bagdad am Montag wie angekündigt tatsächlich erfolgreich abgeschlossen. Letzte Stellungen des sogenannten Islamischen Staates (IS) waren am Sonntag nach einem mehrtägigen Sturmangriff eingenommen worden. Soldaten hissten am Montag die Nationalflagge auf dem Amtssitz der Provinzregierung, wie ein Armeesprecher verkündete.

Die Armee begann mit der Entschärfung der vom IS zurückgelassenen Sprengfallen. Der Amtssitz der Provinzregierung war die letzte IS-Bastion in der Stadt, die im Mai von einer relativ kleinen IS-Truppe ohne nennenswerten Widerstand der Iraker erobert worden war. Nach einer langen Serie von Niederlagen gegen den IS ist ein Sieg in der Schlacht von Ramadi für die irakischen Truppen praktisch die letzte Chance gewesen, ihre Reputation nicht völlig zu verlieren. Dabei wurden sie aus der Luft intensiv von britischen, australischen und US-Kampfflugzeugen und -Hubschraubern unterstützt.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte in Berlin, die Rückeroberung zeige erneut, dass der IS nicht unbesiegbar sei. Die Befreiung der Stadt sei „Ergebnis von vielen Monaten harter Arbeit der irakischen Armee, der Antiterroreinheit, der irakischen Luftwaffe, von örtlichen und nationalen Polizeikräften und Stammeskämpfern“, sagte ein Sprecher der internationalen Militärkoalition gegen den IS, Steve Warren. Die geflohenen Einwohner (die Stadt hatte zuletzt etwa 270.000 bis 400.000 Bewohner, man weiß es nicht genau) kehrten vorerst nur langsam in die zerstörte Stadt zurück. Nun dürfte Iraks Armee die Rückeroberung der nördlichen Provinz Ninive beginnen. In der dortigen Hauptstadt Mossul hatte IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi Mitte 2014 sein Kalifat ausgerufen.

 

Truppenentflechtung in Syrien

In Syrien wurden am Montag in Folge eines Abkommens zwischen Rebellen und Regierung 450 Menschen aus drei umkämpften Städten abtransportiert. Aus Zabadani, der letzten Rebellenbastion an der Grenze zum Libanon, seien die ersten von 120 Kämpfern weggefahren worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Sie würden über den Libanon und die Türkei in andere Rebellengebiete in Syrien gebracht.

Aus den letzten zwei von der Armee gehaltenen schiitischen Orten in der nordwestlichen Provinz Idlib würden umgekehrt 335 Zivilisten und Soldaten in Städte unter Regierungskontrolle gebracht. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2015)