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Selbstmordanschlag in Pakistan: Mehr als 20 Tote in Passamt

In Pakistan ist Polizei allgegenwärtig.
In Pakistan ist Polizei allgegenwärtig.(c) REUTERS
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Mehr als 20 Menschen kamen ums Leben. Der Attentäter fuhr mit einem Moped heran. Mehrere Menschen befinden sich noch in Lebensgefahr.

Bei einem der blutigsten Selbstmordanschläge in Pakistan in diesem Jahr sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. 56 Menschen seien verletzt worden, sagte Abdul Wahid, ein Mitglied der örtlichen Rettungsbehörde, am Dienstag.

Die Bombe explodierte, als der Attentäter in Mardan im Nordwesten des Landes mit seinem Motorrad das Tor des Nationalen Amtes für Datensammlung und Registrierung (Nadra) rammte. Zu der Tat bekannte sich Jamaat ur Ahrar (Jamat ul-Ahrar), eine Splittergruppe der Talibangruppe Tehrik-e Taliban. Sprecher Ehsanullah Ehsan twitterte, das Amt sei ins Visier geraten, weil es "Teil des Krieges" sei; gemeint ist Pakistans Kampf gegen einige seiner Extremistengruppen. Seit vor einem Jahr pakistanische Taliban in einer Schule 136 Kinder massakrierten, geht die Armee entschieden gegen sie vor.

Die Nadra ist die zentrale Registrierungsbehörde Pakistans. Mithilfe der dort gesammelten Daten, zum Beispiel Fingerabdrücke oder Informationen zu Verwandtschaftsverhältnissen, spürt die Regierung Extremisten nach. In den örtlichen Ämtern werden aber auch Pässe oder Geburtsurkunden ausgestellt. Menschen warteten auch am Dienstag dort in langen Schlangen.

Schlange bis auf die Straße hinaus

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei in der Schlange vor dem Gebäude gestanden, um seinen Ausweis erneuern zu lassen, als er jemanden "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") habe rufen hören. Dann sei er zu Boden gestürzt. "Die Luft war voller Rauch und Staub, und ich konnte nichts mehr sehen", sagte der 29-jährige Arbeiter Nasir Khan. Im Fernsehen waren Bilder von der eingestürzten Vordermauer des Gebäudes und Trümmer auf der Straße zu sehen.

Erst vor zwei Wochen waren 24 Menschen bei einem Bombenanschlag auf einem Markt in den Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze getötet worden. Zu dieser Tat bekannte sich die Anti-Schiiten-Gruppe Lashkar-e Jhangvi. Insgesamt ging die Zahl der Anschläge in Pakistan in diesem Jahr stark zurück.

Todesurteile in Kohat vollstreckt

In der Garnisonsstadt Kohat wurden unterdessen vier von Militärgerichten zum Tode verurteilte Männer gehängt, denen unter anderem die Unterstützung von Selbstmordattentätern vorgeworfen worden war. Die Männer hätten Selbstmordattentäter unterstützt und tödliche Angriffe auf Soldaten verübt, sagte ein ranghoher Sicherheitsbeamter. Details zu den konkreten Taten wurden nicht genannt. Die Männer waren bereits im April verurteilt worden, die Hinrichtungen fanden in einem Gefängnis statt. Nach Angaben eines Gefängnismitarbeiters wurden die Leichen den Angehörigen übergeben.

Nach einem sechsjährigen Moratorium hatte Pakistan die Vollstreckung der Todesstrafe wieder aufgenommen. Hintergrund ist der Taliban-Angriff auf eine vom Militär betriebene Schule in Peshawar, bei dem im Dezember 2014 mehr als 130 Schulkinder getötet worden waren. Als Reaktion auf den Anschlag waren im Jänner auch Militärgerichte eingerichtet worden, denen es nach Angaben internationaler und örtlicher Menschenrechtsgruppen an Standards für faire Prozesse mangelt.

Nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen wurden seit Wiederaufnahme der Hinrichtungen in knapp einem Jahr 300 Menschen hingerichtet, die Mehrheit davon nicht wegen Extremismus. Offizielle Zahlen zu den Hinrichtungen liegen nicht vor.

(APA/dpa/Reuters)