Kritik von UNO und Caritas an Österreich. Die Investitionen in Entwicklungsländern gehen dramatisch zurück, ebenso die Überweisungen der Gastarbeiter, Kredite sind schwer zu bekommen.
Wien (hd). Marina Ponti hat keinen leichten Job: Als Europa-Direktorin der UNO für die Millenniums-Entwicklungsziele muss sie die Regierungen überzeugen, trotz Rezession nicht weniger, sondern mehr Geld für Entwicklungshilfe locker zu machen.
Sonst ist nicht einmal das erste der acht Ziele erreichbar, auf die sich die UNO im Jahr 2000 geeinigt hatte: bis 2015 den Anteil derer, die von einem Dollar pro Tag leben müssen, zu halbieren. Als man im Herbst Zwischenbilanz zog, schien das machbar. Eine weltweite Wirtschaftskrise später sieht es schlecht aus: Die Investitionen in Entwicklungsländern gehen dramatisch zurück (Prognose für 2009 laut Ponti: minus 32 Prozent), ebenso die Überweisungen der Gastarbeiter; Kredite sind schwer zu bekommen.
Mehr Geld, mehr Effizienz
Gerade jetzt kürzen einige Länder ihre Entwicklungsausgaben. Etwa Österreich, das laut OECD 2008 minus 14 Prozent verbuchte. „Vom Schneckentempo in den Rückwärtsgang“, kommentiert Caritas-Präsident Franz Küberl bitter auf einer Pressekonferenz mit Ponti. Die wählt diplomatische, aber nicht weniger deutliche Worte: „Österreich muss seine Entwicklungshilfe stark steigern, wenn es bis 2010 0,51 Prozent des BIP dafür bereitstellen will.“ Dazu hat sich Wien verpflichtet. 2008 waren es aber nur 0,42 Prozent.
Doch es hapert nicht nur an der Quantität: Nur zehn Prozent der österreichischen Hilfsgelder könnten die Empfängerländer ihren Bedürfnissen entsprechend frei einsetzen. Das sei zu wenig, meint Monti, der Durchschnitt bei Geldern aus OECD-Ländern liege bei 46 Prozent. Außerdem müsse Österreich seine Hilfe „vorhersehbarer“ gestalten. Nicht einmal ein Zehntel fließt derzeit über die Entwicklungsagentur ADA. Mehr Effizienz könnte auch gewonnen werden, wenn Wien sich stärker mit anderen Geberländern vernetzte, so Ponti. Ihr Fazit: „Österreich hat noch einige Hausaufgaben zu erledigen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2009)