Japan: Toyoda-Enkel lenkt Toyota

(c) AP (Shizuo Kambayashi)
  • Drucken

In der schwierigsten Phase des Unternehmens übernimmt ein Familienmitglied die Führung beim größten Autobauer der Welt. Als bisheriger Vizechef trägt Akio Toyoda jedoch auch Mitverantwortung für die Misere.

Tokio. Nach drei externen Präsidenten übernimmt die Gründerfamilie Toyoda wieder das Steuer beim Autoriesen Toyota. Den 53-jährigen Gründerenkel Akio, der am Dienstag von der Hauptversammlung in Nagoya bestätigt wurde, erwartet das schwerste Erbe der Firmengeschichte.

Schlechter hätte das Timing kaum sein können. Die Ikone der japanischen Exportwirtschaft wird im laufenden Geschäftsjahr den Rekordverlust von rund 4,2 Milliarden Euro einfahren. Überhaupt zum ersten Mal in der Firmengeschichte schreibt Toyota ein Minus. Und es gibt kein Licht am Ende des Tunnels: Der wichtige Exportmarkt USA ist um mehr als ein Drittel eingebrochen, der starke Yen reißt weitere Schlaglöcher in die Bilanz.

„Was Toyota nach dem Ausscheiden des glück- und letztlich erfolglosen Vorstandschef Katsuaki Watanabe jetzt am dringendsten braucht, ist eine starke Krisenführung“, meint Masayuki Kubota von Daiwa SB Investment in Tokio. „Toyoda und seine neuen Topmanager müssen vor allem aufs Tempo drücken, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern.“

Der neue Chefpilot bei Toyota hat bereits eine Kostenvollbremsung verkündet. Er will Produktion und Personalstand im Inland um mindestens zehn Prozent kürzen. Auch die 20 Plattformen, auf denen der Autobauer seine derzeit noch 70 Modelle montiert, müssen um ein Zehntel reduziert werden, rät Branchenanalyst Koji Endo von Credit Suisse Japan. Das würde nach seinen Berechnungen Einsparungen von etwa 45 Milliarden Euro bringen.

„Bestbezahlter Lehrling“

Als bisheriger Vizechef trägt Akio Toyoda jedoch auch Mitverantwortung für die Misere: Der schleppende Toyota-Verkauf auf dem Heimatmarkt, die Einbrüche im internationalen Geschäft und die chaotische Produktplanung fallen in seinen Vorstandsbereich.

Mit dem Enkel des Firmengründers Kiichio Toyoda geht eine „Clanpause“ zu Ende, in der drei familienexterne Manager das konservative Provinzunternehmen– zu dem auch die Marken Lexus, Daihatsu und Hino gehören– an die Weltspitze mit den meisten verkauften Autos geführt hatten.

Akio Toyoda zeigte zu Beginn wenig Interesse am Konzern, an dem seine Familie noch drei Prozent hält. Statt sich in Bücher über Motortechnik zu vertiefen, zog der Sprössling eine Karriere als Investmentbanker und Unternehmensberater in New York vor.

Am Ende konnte er seiner Bestimmung freilich nicht entgehen. Mit 27 Jahren stieg er in das Unternehmen ein und macht, wie er selbst sagte, ein „langes Betriebspraktikum auf hohem Niveau“. Er rotierte nach japanischer Firmensitte als „Toyotas bestbezahlter Lehrling“ von der Werkhalle in den Finanzbereich und landete schließlich in der Forschung.

Akio Toyoda gehört zum alten japanischen Industrieadel. Die Sippe zieht die Fäden im Hintergrund, knallige Statements oder extravagante Touren sind ihre Sache nicht. Uneitel hatte die Familie ihren Namen selbst vom Produkt getrennt. Die Autos heißen Toyota, weil das harte T auf Auslandsmärkten dynamischer klingt als das weiche – vor allem jedoch, weil Toyota in der Kalligrafie mit acht (statt sieben) Pinselstrichen getuscht wird. Diese Zahl bedeutet im Japanischen „Glück und Wohlstand“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.