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Tirol: Dänen-Konzern will Rotes Kreuz ausbooten

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
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Tirol schreibt das Rettungswesen europaweit aus. Private stehen schon in den Startlöchern. Auch der Tiroler Samariterbund wird im Juli am Rennen um das Rettungswesen teilnehmen, wie Geschäftsführer Gerhard Czappek bestätigt.

INNSBRUCK.Am Mittwoch präsentierte der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) die Eckpfeiler des Rettungsdienstgesetzes, das im Juli abgesegnet werden soll. Ein Gesetz, das für Aufregung sorgt: Im Zuge der Reform wird das Rettungsdienstwesen europaweit ausgeschrieben.

Dies entspricht den Normen der EU. Tirol will dadurch auch Kosten einsparen. Tilg: „Das ist ein System, in dem sich Speck angesetzt hat.“ Ab 2011 soll nur noch ein Anbieter diese Dienstleistung anbieten. Die Ausschreibung lässt beim Roten Kreuz die Alarmglocken schrillen. Denn die Organisation, die in Tirol mit 4000 Freiwilligen und gut 500 Hauptamtlichen bisher federführend für das Rettungswesen verantwortlich zeichnete, könnte ab 2011 seinen Auftrag nach fast 100 Jahren verlieren.

„Dieses Gesetz macht Tirol unsicher. Ich sehe dunkle Wolken am Himmel und bin froh, nicht dort leben zu müssen“, spart der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Gerry Foitik, nicht mit Kritik. „Private Anbieter leisten nur, was vorgeschrieben ist. Sie sind auf Großunfälle und Katastrophenszenarien nicht ausgelegt, das zeigt die Erfahrung aus anderen Ländern.“ Zudem bedeute ein Zuschlag für Private, dass „die unschätzbar wertvollen Freiwilligenstrukturen unwiederbringlich zerstört werden“. Bisher war das Rote Kreuz Platzhirsch im Rettungswesen. Daneben gibt es kleinere Anbieter wie den Samariterbund oder die Johanniter.

 

Präzedenzfall für Österreich

Mark Uhrenholt, Vizepräsident für Neue Märkte und Rettungswesen des dänischen Konzerns Falck, bestätigt im Gespräch mit der „Presse“: „Ja, wir werden uns im Juli an der Tiroler Ausschreibung beteiligen.“ Falck ist in sieben europäischen Ländern tätig und beschäftigt rund 7000 Angestellte. Eigentlich, so Uhrenholt, gründe Falck immer erst eine lokale Tochterfirma, die sich bewerbe: „Aber wenn die Zeit diesmal zu knapp ist, werden wir uns von Dänemark aus bewerben.“

Auch der Tiroler Samariterbund wird im Juli am Rennen um das Rettungswesen teilnehmen, wie Geschäftsführer Gerhard Czappek bestätigt. Er begrüßt das neue Rettungsdienstgesetz und die Ausschreibung grundsätzlich: „Das wird ein Präzedenzfall für ganz Österreich.“ Kritik übt er, wie auch das Rote Kreuz, daran, dass bei der Ausarbeitung des Gesetzes die mit der Materie befassten Organisationen nicht eingebunden wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2009)