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Wiens Polizei zu Übergriffen: "Natürlich Täter verantwortlich"

Archivbild: Polizeipräsident Gerhard Pürstl im Jahr 2011
Archivbild: Polizeipräsident Gerhard Pürstl im Jahr 2011APA/ROLAND SCHLAGER
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Aussagen von Polizeipräsident Pürstl, wonach Frauen nachts generell in Begleitung unterwegs sein sollten, wurden laut Polizei verkürzt dargestellt.

Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl hat in der Debatte um sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht mit "Präventionstipps" für Aufregung gesorgt. Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, wurde er in der "Kronen Zeitung" vom Donnerstag zitiert. Am Freitag relativierte Polizeisprecher Christoph Pölzl die Aussagen nun. Es handle sich um "verkürzte Zitierungen", die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. "Natürlich sind die Täter für sexuelle Übergriffe verantwortlich", sagte Pölzl. Pürstl selbst werde zu dieser Causa keine Interviews mehr geben.

Pürstl wurde mit den Worten zitiert "Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, Angst-Räume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden annehmen." Dies sagte der Polizeipräsident laut Pölzl jedoch unter Hinweis auf "die seit Jahren bekannten" Präventionstipps, die auch auf dem Internetportal des Innenministerium (BMI) zu finden sind (Link am Ende des Artikels). "Bei Unsicherheiten bitten Sie ihre Freunde Sie nachhause zu begleiten", lautet der konkrete Ratschlag unter dem Punkt "Kriminalprävention - Delikte gegen die sexuelle Integrität" auf der BMI-Seite. "In keinster Weise wurde damit gesagt, dass Frauen jetzt Begleitschutz brauchen", sagte Pölzl. Diese Verhaltenstipps seien für den Fall eines subjektiven Unsicherheitsgefühls gegeben worden.

Kritik von oberster Stelle hatte sich Pürstl eingehandelt. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sagte am Donnerstag: "Wir Frauen lassen uns sicher keinen Millimeter in unserer Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum einschränken." Frauen brauchten keine "Verhaltensratschläge". Und auch am Freitag hielt sie im ORF Radio fest: "Solche Empfehlungen werden sie von mir sicher nicht hören".

Keine Welle sexueller Übergriffe in Österreich

Im Gegensatz zu den in Deutschland bekannt gewordenen zahlreichen sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht kann in Österreich von keiner Welle die Rede sein, so Mikl-Leitner weiter. In Salzburg und Wien hatten mehrere Frauen Frauen sexuelle Übergriffe während der Silvesternacht angezeigt.

Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin (ÖVP) will zu den jüngsten Fällen nicht im Detail Stellung nehmen. "Ich bin überzeugt, dass wir nicht an Verhaltensregeln für Frauen arbeiten müssen, sondern maximal für die Männer", betonte sie aber am Rande einer Pressekonferenz auf die entsprechende Diskussion angesprochen.

>> Link: Präventionstipps des Innenministeriums

 

(APA)