Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Andreas Khol, der „schwarze“ Heinz Fischer

Andreas Khol.
Andreas Khol.(c) APA/HERBERT PFARRHOFER
  • Drucken
  • Kommentieren

Notlösung mit Angriffsflächen – doch die Chancen des früheren Nationalratspräsidenten sind intakt. Und Österreich steht ein Lagerwahlkampf bevor.

Das wird dann wohl Andreas Khols „Nordkorea“: So wie Heinz Fischer – vorzugsweise von rechts – seine Präsidiumsmitgliedschaft in der Österreichisch-Nordkoreanischen Freundschaftsgesellschaft vorgehalten wurde, so werden Andreas Khol nun von links seine seinerzeitige Ablehnung der Homo-Partnerschaft und seine Forderung, Gott in die Verfassung zu schreiben, vorgehalten. Selbst wenn Khol diese Haltungen mittlerweile unter der Rubrik „Tochter der Zeit“ abgelegt haben mag. Heinz Fischer wurde den Nordkorea-Konnex auch nicht mehr los.

Und dennoch zum Bundespräsidenten gewählt. Denn letztlich entscheidet sich der Wähler dann doch für den kompetentesten, für das Amt am besten geeigneten Kandidaten. Und Andreas Khol ist eine Art „schwarzer“ Heinz Fischer. Schon von der Vita her: beide Uni-Professoren, in vielfältigen politischen Positionen tätig und als Erste Nationalratspräsidenten schon zweiter Mann im Staat. Gemeinsam haben sie sich 2004 über die (noch vorhandenen) Gräben hinweg an die Aufarbeitung der Dollfuß-Zeit gemacht.

Sollten Andreas Khol im Wahlkampf keine schweren Schnitzer unterlaufen, sind seine Chancen intakt. Sofern die Kampagne funktioniert. Das hausbackene, ungelenke Internet-Video zur Bekanntgabe der Kandidatur von Andreas Khol war jedenfalls keine Glanzleistung der ÖVP. Mit viel Wohlwollen könnte man sagen: Das war so unprofessionell und unfrisiert, dass es in seiner Authentizität fast schon wieder sympathisch war.

Allerdings: Nicht nur Andreas Khol ist ein kompetenter, für das Amt geeigneter Kandidat. Auch Alexander Van der Bellen ist es. Und Irmgard Griss. Dies sind die bislang offiziell bekannten Bewerber. Entscheidend ist, wer in die Stichwahl kommt. Und da wird es für Van der Bellen, der recht bald die Sympathie-Rankings anführen dürfte, dann doch schwer. Griss könnte ihn nämlich die entscheidenden Prozentpunkte kosten, um es in eine Stichwahl zu schaffen. Die beiden fischen im selben Teich um liberale Wähler.

Es sei denn, viele SPÖ-Wähler entscheiden sich bereits im ersten Wahlgang für Van der Bellen anstatt für ihren eigenen Kandidaten, der aller Voraussicht nach Rudolf Hundstorfer heißen wird. Die Wähler aus den Wiener Bobo-Bezirken, die jüngst zum relativen Wahlerfolg Michael Häupls beigetragen haben, werden das wohl tun. Doch diesmal wird das weniger ins Gewicht fallen.

Freilich wird auf der anderen Seite auch Irmgard Griss Andreas Khol Stimmen wegnehmen. Allerdings könnte dieser, der Architekt der Wende in Schwarz-Blau, wiederum freiheitliche Wähler anlocken (sofern Heinz-Christian Strache nicht doch noch selbst antritt, womit die Karten neu gemischt würden). Das war – man kann das heute ja kaum glauben – auch bei Thomas Klestil so: Dieser, später der große Widerständler gegen Schwarz-Blau, wurde nicht zuletzt dank freiheitlicher Stimmen Bundespräsident. Es gab sogar eine Wahlempfehlung Jörg Haiders für Thomas Klestil.

Irmgard Griss hat ihre Chance bisher genützt, sich als präsidiale Kandidatin zu präsentieren und Aufmerksamkeit zu generieren. Nun wird es zunehmend schwerer für sie, als Parteifreie mit den langsam in Schwung kommenden Wahlkampf-Apparaten der Parteien zu konkurrieren. Sie kann nur auf das Außenseiter-Image setzen. Und wird möglicherweise auch Außenseiterin bleiben.

Der Papierform nach werden im ersten Wahlgang SPÖ-Anhänger wohl mehrheitlich SPÖ wählen und ÖVP-Anhänger ÖVP. Das dürfte noch immer knapp ausreichen, um als Erster respektive Zweiter über die Ziellinie zu gehen. Und in der Stichwahl sind Andreas Khols Chancen dann etwas besser zu bewerten als jene Rudolf Hundstorfers. Zum einen gibt es in Österreich strukturell eine Mehrheit rechts der Mitte. Zum anderen würde ein schwarzer Präsident als Gegengewicht zum roten Kanzler empfunden. So wurden schon Thomas Klestil und Kurt Waldheim Präsidenten.

Österreich steht, wie es derzeit aussieht, vor einem Lagerwahlkampf: Rot-Grün gegen Schwarz-Blau. Und Irmgard Griss und die Neos irgendwo mittendrin.

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2016)